Warum der nachhaltige Handabdruck im Beruf relevanter ist, als unser privater ökologischer Fußabdruck.
Wie setzen wir unsere wenige Zeit maximal effektiv für Klima- und Umweltschutz ein? Wer sich das fragt kommt schnell vom persönlichen Fußabdruck zum beruflichen oder gesellschaftlichen Handabdruck. Denn hier liegt das maximale Potenzial.
In dieser Folge von "Gewinne Zukunft" spreche ich mit dem Gründer, Autor und Klimaaktivisten Gabriel Baunach. Gabriel erklärt, warum der Fußabdruck-Ansatz zu kurz greift und wir unseren Handabdruck in den Fokus rücken müssen. Wir diskutieren, wie sich die konkrete Hebel für Angestellte oder Unternehmensinhaber*innen unterscheiden.
Gabriel macht deutlich, dass individuelle Entscheidungen zwar wichtig sind, aber struktureller Wandel nur durch gesellschaftliche Normverschiebungen und politische Reformen gelingen kann. Deswegen rät er Unternehmen, ihre Stimme zu nutzen, Lobbyarbeit für Klimaschutz zu betreiben und sogar Protestaktionen zu unterstützen.
Nach dieser Folge kennst Du:
✅ Verschiedene relevante Klimatypen: Die Unwilligen. Die planlosen Aktivisten oder die innerlich Zerrissenen.
✅ Die drei Big Points für maximale Emissionsreduktion in Unternehmen.
✅ Strategien, um positive Klimakipppunkte zu ermöglichen.
Transkript:
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Gabriel Baunach [00:00:03]: Ja, sich eine Gruppe suchen. Also dieser Satz von Eckhardt von Nischhausen, das Wichtigste, was ein Einzelner jetzt tun kann, ist kein Einzelner zu bleiben, sich wirklich zu Herzen zu nehmen, weil das erstens effektiver ist, ins Handeln zu kommen, man damit mehr bewirken kann. Zweitens ist es besser für das eigene Wohlbefinden, die eigene Resilienz, wenn man eine Gruppe hat, der Gleichgesinnte.
Zackes Brustik [00:00:27]: Herzlich willkommen zur ersten Folge der bereits vierten Staffel von Gewinne Zukunft. Ich freue mich unglaublich auf die kommenden Episoden mit euch und wie immer wird es auch in dieser Staffel so ein kleines inoffizielles Leitthema geben. Dieses Mal wird es euer professioneller Handabdruck sein. Denn im Prinzip ist das ja die große Frage hinter dem Podcast. Wie schaffen wir es, nicht nur unseren persönlichen Fußabdruck zu reduzieren, sondern vor allem auf der Arbeit unseren Professionellen oder auch als Bürger in der Gesellschaft unseren gesellschaftlichen Handabdruck zu vergrößern? Denn dort können wir einfach so viel mehr erreichen, was relevant für die Klima- und die Umweltkipppunkte ist, als was wir privat jemals reduzieren könnten. Die Frage ist also, wo in Unternehmen ist als Angestellter oder auch als Unternehmerin an der Spitze das größte Potenzial, was könnt ihr wirklich bewegen, wenn ihr auch proaktiv über eure Jobbeschreibung hinaus aktiv werdet. Und genau darum wird es auch schon jetzt in der Auftaktfolge dieser Staffel gehen. Und damit herzlich willkommen zu Gewinne Zukunft, dem Sustainability Podcast der Pioniere. Mein Name ist Zakkes, ich freue mich mächtig, dass ihr mit an Bord seid und wie immer freue ich mich unglaublich auf meinen Gast und auch jetzt für die Auftaktfolge hätte es besser nicht passen können. Ist ein bisschen sowas wie ein Bruder im Geiste, er widmet nämlich auch seine komplette Zeit, auch seine persönliche Mission, nur einem Ziel, nämlich das extrem komplexe Klimawissen zu kondensieren und uns so an die Hand zu geben, dass wir direkt tätig werden können, egal wo wir uns im Leben befinden und wie viel Zeit wir gerade zur Verfügung haben. Das macht er einerseits als Gründer der Plattform Climaware, aber auch, wie ich zum Beispiel, als Podcast-Host von nicht nur einem Podcast, sondern von über Klima sprechenden Podcast von Klima Fakten D, seinem eigenen Podcast bei Climaware und, und das wird auch das Thema dieser Folge sein, auch als Autor von Hoch die Hände Klimawende. Unglaublich gutes Buch, das, wie ich schon gesagt habe, alles zusammenfasst. Was wichtig ist, nämlich Klimawissen, Klimapsychologie, wie kommunizieren wir richtig, andere Menschen mit an Bord zu bekommen Und ganz konkret, wie können wir handfest in unserem Unternehmen oder in der Gesellschaft wirklich was nach vorne bringen. Und damit herzlich willkommen Gabriel Bornach.
Gabriel Baunach [00:02:40]: Ja, hallo Sacke, es freut mich hier im Podcast zu sein und hallo an alle, die zuhören.
Zackes Brustik [00:02:45]: Wir haben gerade schon gesagt im Intro, wir sind beide noch so ein bisschen am struggeln. Es ist nämlich die erste Podcast-Folge, werden wir das hier aufnehmen, des Jahres 2024. Und wir versuchen gerade überhaupt erstmal wieder so in den professionellen Schwung reinzukommen.
Gabriel Baunach [00:02:56]: In den Sprechflow, genau.
Zackes Brustik [00:02:58]: In den Sprechflow, wie war das nochmal hier, Nachhaltigkeit und so, gerade eigentlich nur mit Silvester und Essen an Weihnachten beschäftigt. Bei der Gelegenheit, Gabriel, jetzt während wir den Podcast aufnehmen, haben wir gerade noch Weihnachten im Rücken. Kriegen die lieben Verwandten von dir überhaupt noch was? Gibt's unter dem Weihnachtsbaum, sofern es ihn bei euch überhaupt noch gibt bei den Baunas, gibt es da auch noch Pakete von Gabriel oder gibt es da nur noch so Gutscheine für Aufworsten.de oder Social Impact und Klimabücher? Wie sieht das aus?
Gabriel Baunach [00:03:26]: Ja, es gibt tatsächlich noch einen Weihnachtsbaum. Das liegt ja in der Hand meiner Eltern. Ich würde das vielleicht so ein bisschen überlegen, ob ich das noch brauche. Aber das ist ja vielleicht auch Teil dieser Podcast-Folge und meines Buchs, sich dann diese kleinen Sachen, die CO2 ausstoßen, ganz klar nicht zu viel Gedanken zu machen und sich dann das Weihnachtsfest zum Beispiel davon versauen zu lassen, dass da jetzt ein Weihnachtsbaum steht und man selber sich halt intensiv für Klimaschutz bemüht, sondern ich weiß, dass ich eben an den großen Hebeln etwas tue in meinem Leben, dass ich meinen Handabdruck versuche, so gut es geht, zu vergrößern, darüber werden wir noch sprechen und dann kann ich auch so einen Weihnachtsbaum da stehen lassen und da auch kleine Paketchen, Geschenke drunter legen für meine Liebsten. Das heißt ja, ich schenke noch Dinge, mache mir da dazu aber auch gute Gedanken, versuche da, wenn es geht, auch Secondhand oder etwas Repariertes zu verschenken. Hier und da ist aber auch noch ein Neuprodukt dabei. Also ich versuche da so ein bisschen in das Sowohl-als-auch zu gehen, was Handabdruck und Fußabdruck angeht.
Zackes Brustik [00:04:24]: Das heißt, obwohl du quasi Vollzeit professioneller Klimaaktivist bist, gibt es durchaus noch Schönheit und Genuss in deinem Leben.
Gabriel Baunach [00:04:31]: Absolut und das finde ich eine wichtige Botschaft.
Zackes Brustik [00:04:33]: Das schließt sich nicht aus, genau. Und auch das Wichtige, das hast du schon gesagt, die ganzen Diskussionen, gerade beim Familienfest. Ich glaube wahrscheinlich jetzt, in deiner Familie wird das vermutlich anders sein, aber ich glaube in vielen Familien mittlerweile macht man einen großen Bogen das Klimathema, den Frieden zu wahren, während man die zwei Tage zusammen ist.
Gabriel Baunach [00:04:50]: Oh doch, das ist bei mir tatsächlich auch ein Thema, was wir mittlerweile so ein bisschen ad acta gelegt haben.
Zackes Brustik [00:04:55]: Weil da geht das schnell hoch her und vor allem reibt es sich dann an den kleinen Dingen, die eigentlich, und das werden wir in dieser Folge feststellen, vielleicht unwesentlich sind. Das heißt, so als Gesellschaft ist unser Fokus oft auf den eher unwesentlichen Dingen und es ist viel wichtiger, dass wir unserer Zeit und Energie den wahren Hebel widmen und die sind eben weniger privat unter dem Weihnachtsbaum zu finden, sondern meistens eher dann das Jahr über in unseren Jobs, in den Unternehmen oder in dem, was wir als Bürger in dieses Landes bewegen können. Warum das so ist, das werden wir jetzt besprechen. Das allererste, wir alle kennen den Fußabdruck, das heißt wir wissen so als Durchschnittsdeutsche liegt er bei 10 Tonnen CO2 wohlgemerkt, also nur auf das Klima bezogen, nicht auf alle anderen Aspekte der Umweltveränderung, also Bodengesundheit und so weiter. In deinen Worten, warum müssen wir über den Handabdruck reden? Was ist das?
Gabriel Baunach [00:05:42]: Weil der CO2 Fußabdruck, beziehungsweise der ökologische Fußabdruck, wenn man es jetzt ganz allgemein auf alle ökologischen Probleme ziehen möchte, das Thema zu sehr individualisiert. Das heißt, die Schuldgefühle und auch die Verantwortung im eigenen Konsum und in den eigenen individuellen Lebensentscheidungen im Alltag wird zu sehr auf die Schultern von uns EndverbraucherInnen gelegt. Wobei die großen Hebel, wirklich die strukturellen Emissionen ja aus anderen Quellen kommen. Nämlich von großen Unternehmen. Es gibt da so eine Untersuchung, dass nur 100 Unternehmen weltweit für ungefähr 70 Prozent der industriellen Treibhausgasemissionen verantwortlich sind. Und wir haben es auch in der Corona-Pandemie während der Lockdowns gesehen, dass trotz der massiven individuellen Einschränkungen und des individuellen Verzichts, wenn man es so nennen möchte, also nicht zu reisen, das Auto eventuell stehen zu lassen, weniger zu konsumieren und so weiter, dass trotzdem 90 Prozent der CO2-Emissionen weltweit übrig geblieben sind. Und das liegt eben daran, dass diese Emissionen, wie gesagt, struktureller Natur eher sind. Und wir mit individuellen Entscheidungen im Supermarkt, das Fahrrad zu nehmen und so weiter, eben etwas bewirken können. Ja, das ist mir auch wichtig zu betonen, aber eben nicht so viel, wie wir oft denken. Und da kommt der Handabdruck ins Spiel, dass wir eben uns überlegen, wie kann ich zum Multiplikator oder zur Multiplikatoren für klimafreundliches Verhalten werden? Denn wir können uns ja nur klimafreundlich verhalten, wenn es die Alternative dazu gibt. Wenn diese Alternative dann auch günstiger ist oder günstig ist oder nicht allzu teuer. Also zum Beispiel Bahn zu fahren, statt den Flieger zu nehmen von Hamburg nach München. Und es sozial attraktiv wirkt, das heißt schon einige Menschen mitmachen und das auch vormachen und ich dafür nicht allzu sehr belächelt werde oder herabgewürdigt werde. Und es muss auch einfach sein, also nicht allzu zeitintensiv, denn wir alle kennen das, wir sind doch bequeme Wesen, der Mensch im Allgemeinen. Und deswegen ist es eben wichtig sich zu überlegen, wo habe ich Einflussmöglichkeiten auf die Strukturen und die gesellschaftlichen Normen, die das Verhalten der Massen eben prägen.
Zackes Brustik [00:08:07]: Da war jetzt unglaublich viel dran. Ich glaube, das Wichtigste ist zu sagen, das eine tun, ohne das andere zu lassen. Der private Fußabdruck, den zu reduzieren, ist wichtig. Der Handabdruck kann keine Ausrede dafür sein, weiterhin fünfmal im Jahr nach Bali zu fliegen. Richtig. Aber wir müssen schauen, dass wir uns eben viel mehr über den Handabdruck widmen, weil wir haben alle begrenzte Zeit und da können wir einfach unsere Wirkung über unseren privaten Einfluss hinaus skalieren. Auch in der vierten Staffel gibt es wie immer in knapp 60 Sekunden ein zum Thema der Folge passendes Sustainability of Ring von meinem Werbepartner IBM. Den größten ökologisch oder sozial nachhaltigen Handabdruck haben wir nicht nur in unseren eigenen Produkten, sondern vor allem, wenn wir dafür sorgen, dass sich ein Thema in der Gesellschaft und in den Strukturen an sich verändert. Und ich persönlich finde es klasse, dass IBM das bei einem der entscheidendsten Themen überhaupt unserer Zeit schon länger federführend vorantreibt, Nämlich beim Thema KI. Nicht nur setzt IBM bei den eigenen Produkten auf erklärbare, transparente und ethische KI, sondern formiert auch international Allianzen dafür. Ende 2023 zum Beispiel hat IBM gemeinsam mit Meta die AI Alliance gelaunched. Mit über 50 entscheidenden Partnern aus wirklich jedem Bereich der Entwicklung oder Umsetzung von KI und generativer KI, wie z.B. Intel, Red Hat, ServiceNow oder Organisationen wie Yale, Das Zern oder die NASA oder auch die TU München, setzt sich die Alliance dafür ein, dass KI in einem transparenten, open-source-basierten Ökosystem gemeinsam und kollaborativ gesellschaftlich verantwortungsvoll vorangetrieben wird. Mehr Infos darüber, in wie du KI in deinem Unternehmen verantwortungsvoll einsetzen kannst, unter dem Link in den Shownotes oder von Sustainability-Specialist Ramon Dicanio auf LinkedIn. Und damit zurück zu Gabriel. Kurze Frage trotzdem nochmal an den Anfang deiner Antwort. Angenommen ich sag jetzt okay, ich will aber erstmal mit dem Fußabdruck anfangen. Also was ist denn das Maximum, was ich rausholen kann so als Durchschnittsdeutscher? Wo komme ich runter von den zehn Tonnen?
Gabriel Baunach [00:10:07]: Ja, auch dazu gibt es gute Untersuchungen, dass die Menschen eigentlich nur ungefähr den Drittel ihren Fußabdruck reduzieren mit den geeigneten strukturellen Änderungen, mit Preissignalen, mit CO2-Labeling auf Produkten und so weiter und so fort. Und dann ist bei 5 Tonnen bei den aller allermeisten Menschen eigentlich wirklich Schluss, weil unter 5 Tonnen in einem Industrieland wie Deutschland das Leben dann doch unangenehm wird. Bisher ist es so, in den Strukturen, die wir uns gebaut haben, mit all den Straßen, mit all dem Kohlestrom im Netz immer noch und so weiter und so fort, da fängt es dann an, dass unsere individuellen Entscheidungen aufhören zu wirken bzw. Sehr sehr painful werden und auch teuer werden. Das heißt ab 5 Tonnen und drunter bedeutet es dann wirklich heutzutage Verzicht, wenn man das so nennen möchte.
Zackes Brustik [00:10:58]: Okay, wir kommen also maximal runter auf 5 Tonnen und dann, also das eine ist verzichten, aber das andere ist nur weil ich darauf verzichte, verschwinden ja nicht die Straßen, Krankenhäuser und Straßenbahnen und die wirklich wichtige, relevante Infrastruktur und das sind eben Dinge, die ich nicht ändern kann. Oder wie du vorhin auch gesagt hast, ob jetzt für die Masse tatsächlich Bio-Lebensmittel leistbar sind, weil Lidl, Aldi und den großen Discountern, die uns wirklich in der Masse versorgen in Deutschland, das ist natürlich noch mal was anderes. Also maximal 5 Tonnen. Ich würde gerne mal noch so ein paar Zahlenbeispiele reinwerfen, die ich wiederum aufgeschnappt habe, weil wirklich das zu verdeutlichen, wir hatten ja vor, privat 10 Tonnen, im besten Fall komme ich runter auf 5, da muss ich aber schon richtig Gas geben und mit diesen 5 Tonnen bin ich immer noch vom 1,5 Grad Ziel entfernt, weil ich glaube als Deutsche müssten wir theoretisch auf 2 Tonnen runter, wirklich auf 1,5 Grad Kurs zu sein, Also illusorisch, wenn ich nicht die Strukturen angehe. Ich weiß zum Beispiel, auf LinkedIn, verknüpft mit Fabian Müller, der ist ja mit Insta Green auch bei einer Mission beteiligt, Unternehmen zu helfen, der merkt halt immer, ganz viel scheitert daran, dass es eben noch nicht die Rolle gibt, die KPIs oder sowas und ganz viel bleibt ungenutzt auf der Straße liegen. Also ich finde so typisches Beispiel, der meinte zum Beispiel, Maschinenbauer braucht nichts anderes tun, als in die existierenden Anlagen, die er schon hat, eine Software für die Beleuchtung einzubauen. Und dann sparen die halt ruckzuck 170 Tonnen CO2 pro Jahr. Und das ist halt so, da sind vielleicht zwei Leute im Unternehmen mit beschäftigt und eine extern irgendwie von dem Unternehmen, vom Lösungsanbieter. Und das heißt, da sind dann halt pro Kopf dann locker über, oh Gott, so schnell bin ich gerade nicht in der Mathe, aber über 50 Tonnen pro Kopf, also das lässt sich sehen. Ja. Oder Hwang zum Beispiel, mittlerweile auch LinkedIn Sustainability Voice, richtig cooler Mensch, dem lohnt es sich unbedingt zu folgen, kann ich auch in Show Notes verknüpfen, der arbeitet eigentlich hauptberuflich bei Alsemi, die machen so KI-gesteuerte Zementherstellung. Wenn jetzt Huang, keine Ahnung, auf zwei Leute trifft, die in einem Zementwerk arbeiten, die sagen, okay, wir stellen diese Zementherstellung auf KI-gesteuerte Zementherstellung dann sind das 15.000 Tonnen CO2 weniger pro Wert. Das ist unglaublich. 15.000 Tonnen. So viele Leben kann ich gar nicht leben, da hinzukommen.
Gabriel Baunach [00:13:03]: Richtig.
Zackes Brustik [00:13:04]: Und das ist wirklich die Größenordnung.
Gabriel Baunach [00:13:05]: Und das ist eben der Handabdruck. Ja, das ist eben die Wirkung.
Zackes Brustik [00:13:08]: Das kann man in Unternehmen bewegen und das Wichtige ist, ganz viel davon, glaube ich, passiert nicht, wenn man nicht proaktiv über die eigene Rollenbeschreibung hinaus aktiv wird, die Vorschläge einbringt, das in die Hand nimmt und das zu seinem Projekt macht oder sich dafür ein Mandat abholt. Weil, seien wir ehrlich, im Rahmen der CSRD sind die Sachen noch nicht so richtig gefordert. Da geht es erstmal irgendwie ein paar Zahlen zu finden, ein bisschen was zu verbessern. Aber große Hebe brauchen auch großen Aktivismus und die Lust, was zu verändern.
Gabriel Baunach [00:13:37]: Ja und wenn man sich dann überlegt, wie viele Menschen zerbrechen sich vom Supermarktregal den Kopf, ob sie jetzt das eine Duschgel oder das andere nehmen, welches ist jetzt ökologischer verpackt und welches hat weniger Mikroplastik und diese ganze Zeit kumuliert gebündelt lieber mal in solche Überlegungen zu stecken, was kann ich
Zackes Brustik [00:13:55]: eben am
Gabriel Baunach [00:13:55]: Arbeitsplatz bewirken, wie kann ich vielleicht den Zementhersteller zu bringen, KI gesteuerte Systeme zu nutzen und das ist einfach einen Faktor, ja, tausend oder noch mehr effektiver. Das ist eben eine ganz wichtige Botschaft, glaube ich, dass beim Handabdruck wirklich die Grenze nach oben offen ist. Beim Fußabdruck kommen wir eben an eine Schallmauer, sozusagen.
Zackes Brustik [00:14:16]: Ganz am Anfang hast du auch noch gesagt, Fußabdruck ist immer so Schuldkonnotiert. Und das ist ja auch schön beschrieben in deinem Buch, das ist jetzt nicht so Folklore, sondern wirklich große Fossilkonzerne, wirklich Millionen reingepumpt in diese Kampagne und ohne das jetzt groß auszubreiten, weil wir wollen uns auf das Konstruktive fokussieren. Trotzdem fand ich das spannend, weil die sich auch Kampagnen, also das nachgemacht haben, wie zum Beispiel die NRA, also die National Rifle Association in den USA vorgeht. Magst du das mal kurz erklären, wie die es schaffen, eben dieses Schuldframing aufzubauen, welche Psychologie dahinter steckt?
Gabriel Baunach [00:14:47]: Ja, es ist eben bekannt in der Marketingindustrie, dass es bei großen strukturellen und vor allem auch politischen Problemen oder Themen funktioniert, dass man den Blick der Bevölkerung, der EndverbraucherInnen eben ablenkt von den politischen Diskussionen hin ins Private, in den Alltag. Und diese großen strukturellen gesamtgesellschaftlichen Probleme eben individualisiert und zu einem Thema der alltäglichen, oft Konsumentscheidungen macht. Und das hat die Tabakindustrie geschafft, als eben Rauchverbote oder auch generell Zigarettensteuer und so was besprochen wurde in den 70er, 80er Jahren und bis heute eigentlich. Das hat die NRA, wie du sagst, auch geschafft, dass das ganze Thema Waffengewalt und Waffengesetze in den USA zu einem individuellen Thema gemacht wurde. Und da lautet so ein Slogan der NRA, der sie verbreitet hat, eben Not guns kill people, people kill people. Da sieht man schon ein bisschen diesen Zungenschlag. Es geht nicht darum, wie viele Waffen in einem Land bei den Menschen rumliegen, sondern es geht darum, was diese einzelnen Menschen damit machen. Dann diskutiert man ganz schnell über mentale Gesundheit, über psychisch kranke Täter und Täterinnen und nicht mehr über Waffengesetze. Also da sieht man, wie das funktioniert. Und das hat eben BP, British Petroleum, auch versucht mit dem Carbon Footprint eben das Thema Klimakrise ebenso zu individualisieren, es Private abzuschieben, damit der Blick fürs Politische bei den Menschen fehlt und das eben auch erfolgreich, weil zu der Zeit auch in den USA eine CO2-Bepreisung besprochen wurde, diskutiert wurde und das Thema bis heute verbrannt ist, buchstäblich.
Zackes Brustik [00:16:38]: Das heißt, die haben sich wirklich ein erfolgreiches Playbook an die Hand genommen, das zum Beispiel die Tabakkonzerne oder die Waffenlobby schon umgesetzt hat und hat gesagt, wie übertragen wir das auf das Klimathema? Platt gesagt, nicht Autos schaden dem Klima, sondern die Menschen, die sie fahren. Aber das ist ja schon auch die Spannung, weil du hast vorhin gesagt, privater Futterdruck, aber eigentlich sind irgendwie 100 Konzerne für 90 Prozent der Emissionen verantwortlich, aber die produzieren ja für mich. Also kann ich es mir so einfach zu sagen, die großen Konzerne sind schuld?
Gabriel Baunach [00:17:05]: Richtig. Es ist nicht so einfach. Es ist keine Entweder-oder-Diskussion zwischen Fußabdruck und Handabdruck. Ich finde es ganz wichtig zu sagen, wir brauchen beides und das beste, persönliche, effektivste Klimahandeln bedeutet immer den eigenen Fußabdruck zu reduzieren und den eigenen Handabdruck zu vergrößern. Ich plädiere im Buch nur dafür, den Schwerpunkt des Handelns doch eher latent beim eigenen Handabdruck zu setzen. Und habe da so eine ganz grobe Daumenregel eben den LeserInnen an die Hand gegeben und an den Fuß. Eben ein Drittel, ungefähr ein Drittel der eigenen Zeit und Energie, die man insgesamt gewillt ist und fähig ist fürs Klimathema zu investieren, in die eigene CO2 Fußabdruckreduktion zu stecken und etwa zwei drittel der eigenen zeit und energie in die vergrößerung des handabdrucks zu stecken denn so kann man vielleicht das beste aus beiden welten rausholen
Zackes Brustik [00:17:54]: wie wir den handabdruck vergrößern darüber geht es gleich aber trotzdem müssen wir bevor wir das angehen erstmal noch mal so ein paar mythen aufräumen die wenn wir uns den Fußabdruck anschauen, doch immer wieder am Start sind. Und das ist, glaube ich, unglaublich wichtig, das zu verstehen, weil das, was wir tun und meinen, Gutes zu tun, ist nicht immer gleich auch effektiv. Und das framen wir auch noch mit unterschiedlichen Typen, die es gibt bezüglich des Klimas. Du unterscheidest, glaube ich, so drei, vier unterschiedliche Klimatypen. Es gibt so die Unwilligen, die haben einfach keinen Bock auf das Thema, es ist ihnen unangenehm, sie verdrängen das. Das sind aber nur acht Prozent. Wenn man so die Medienlandschaft anguckt, könnte man meinen, das sind irgendwie die Hälfte der Deutschen. Aber das ist eigentlich nur so eine kleine Randgruppe, die es aber schafft, den Diskurs zu bestimmen. Ich glaube, die missachten wir mal jetzt kurz für diesen Podcast, weil relevanter ist, die Mehrheit, die was tun will. Und da gibt es zwei relevante Typen, nämlich die planlosen Aktivisten und die innerlich Zerrissenen. Ich glaube, die planlosen Aktivisten, seien wir ehrlich, da gehöre ich zu einem gewissen Teil bestimmt auch dazu. Weil ich vielleicht im Supermarkt auf bestimmte Dinge achte und denke die sind wirksam, sind sie aber gar nicht. Magst du mal kurz aufzeigen, was wir in der Regel tun und glauben es ist gut Und was dann wirklich gut ist?
Gabriel Baunach [00:19:01]: Ja, auch da sehen wir, dass der CO2-Fußabdruck-Ansatz an Grenzen stößt, weil wir oft in den einzelnen Entscheidungen, gerade das Supermarktbeispiel ist perfekt, gar nicht genau wissen, was ist denn jetzt die CO2-freundlichere Alternative. Und Da gibt es eben wirklich große Mythen, zum Beispiel eben das ganze Thema Plastik, dass eben der Verzicht auf die Plastiktüte und das Mitnehmen eines Jutebeutels schon ganz viel für das Klima und für den Klimaschutz leistet. Ja, fast das Gegenteil ist der Fall. Also mit einem Jahr Plastiktütenverzicht spart man drei Kilogramm CO2 ein als Einzelverbraucher oder Verbraucherin. Und wenn man mit einer fünfköpfigen Familie eine Runde 200 Gramm Steaks einmal bei einem Abendessen isst, hat man bereits 15 Kilogramm CO2 emittiert. Und da ist dann glaube ich schon klar, dass fünf Jahre Plastiktütenverzichter in einem Abendessen in die Luft gehen.
Zackes Brustik [00:19:56]: Das heißt also quasi ich kann das ganze Jahr über zum Unverpacktladen in Prenzlauer Berg marschieren, Wenn ich dann an Weihnachten denke, okay, an Weihnachten einmal Gans für die Familie, dann ist diese Arbeit eigentlich zunichte gemacht.
Gabriel Baunach [00:20:07]: Naja, Geflügelgans ist schon wieder ein bisschen besser als das klassische Rindersteak, weil eben Rinder und andere Wiederkäuer eben Methan rülpsen und pupsen. Das heißt, da ist dem Klima dann ja besonders geschadet, weil Methan ja ein besonders potentes Treibhausgas ist. Das machen Gänse nicht, aber trotzdem brauchen natürlich Gänse viel Futter und Platz und ist einfach eine sehr ineffiziente Art sich Kalorien zuzuführen, wenn man erst ein Tier essen muss, das vorher die Pflanzen gegessen hat.
Zackes Brustik [00:20:38]: Schauen wir nochmal rein, wo sind die großen Hebel? Also wo müssten wir eigentlich hingucken? Weil egal ob privat oder in Unternehmen, es ist nämlich in beiden Bereichen relevant, weil es in beiden Bereichen auftaucht. Maxi mal kurz, ich weiß, du hast so eine Grafik im Buch, die habe ich gerade vor mir, aber erklär mir du mal, wo sind die größten CO2-Wolken zu finden?
Gabriel Baunach [00:20:54]: Ja, das sind eben diese drei Big Points, nenne ich sie, oder auch das Umweltbundesamt, drei große Hebel in unserem Leben. Das Thema Mobilität, wie gesagt, da möglichst auf Flugreisen zu verzichten. Also jeder Mensch, der regelmäßig fliegt im Jahr, also öfter als zwei, dreimal, da ist das der größte CO2-Button auf dem eigenen persönlichen CO2-Ausstoßkonto.
Zackes Brustik [00:21:17]: Das ist nämlich auch mega spannend. Du schreibst nämlich in deinem Buch, das Problem sind nicht die, die einen, also sollte man im besten Fall trotzdem reduzieren, aber es ist jetzt nicht, dass ich einmal im Jahr im Urlaub fliege, sondern das Problem sind wirklich die Vielflieger, die mehrmals im Jahr dann wahrscheinlich vor allem beruflich zu bestimmten Meetings fliegen. Das heißt, da auch relevant, der berufliche Handabdruck hat viel mehr Auswirkungen. Wenn ich dafür sorge, dass in meinem Unternehmen die Menschen vielleicht nur noch die Hälfte fliegen, ist das viel entscheidender, als wenn ich einmal im Jahr auf meine Bali-Reise verzichte.
Gabriel Baunach [00:21:45]: Richtig, genau. Das als kurzes Side-Note, da im Job dafür zu sorgen, dass es da neue Geschäftsreise-Regeln gibt, mehr Zoom-Meetings oder Konferenzen und möglichst begründet nur noch geflogen werden muss und die Standardoption irgendwie die Bahn ist, das hat einen riesen Hebel auf jeden Fall. Das zweite Thema, genau, Verbrennermotor, Autofahren ist dann auf jeden Fall der zweite große Batzen, gerade wenn man da auch wiederum als Vertriebler, Vertrieblerin, irgendwie viel unterwegs ist für die eigene Firma, Da möglichst auf ein E-Auto umzusteigen oder auch da die Bahn häufiger zu nehmen, das kann auch sehr viel einsparen. Dann das Thema Ernährung. Da können wir im beruflichen Kontext direkt an die Firmenkantine denken oder das Lunch, was man sich bestellt. Möglichst pflanzenbasiert. Es gibt ja jetzt so diesen Hashtag oder auch diese Challenge, wie January, also im Januar, sehe ich mal, vorzunehmen, möglichst viele vegane oder sei es nur vegetarische Gerichte mal zu probieren. Da gibt es ja mittlerweile auch sauviel Angebot in Supermärkten, Restaurants, Kantinen und so weiter. Das dritte Thema Wohnen, beziehungsweise damit meine ich generell die Gebäudenutzung. Das kann man ja auch wieder im beruflichen Kontext denken. Also woher kommt die Wärme, die ich hier brauche, an meinem Arbeitsplatz oder zu Hause? Wie groß sind diese Räumlichkeiten und wie sind die gebaut? Klar, wir können jetzt nicht alles umbauen, das würde ja auch keinen Sinn machen. Jetzt stehen die Gebäude ja wie sie sind, aber wenn man neu baut, vor allem bei den Neubauten, und das ist auch für Firmen wichtig, zu überlegen, wie kann das möglichst klimafreundlich geschehen mit einer Holz-, Beton-Bauweise oder so ähnlich, weil eben Beton und Stahl wirklich krasse Klimakiller sind. Und da auch das Thema Strom mitzudenken. Das heißt, können wir hier auf die Produktionshallen, Dächer oder unsere Bürogebäude oder auch zu Hause irgendwie Strom generieren, selber vor Ort, eben die Netze zu entlasten, selber wirklich Sonnenstrom zu verwenden. Und das geht eben auch als Mieter oder Mieterin. Gerade dieses Jahr sollen wieder noch vereinfachte Regelungen erlassen werden, Balkonkraftwerke zu installieren.
Zackes Brustik [00:23:48]: Jetzt die Grafik. Ich empfehle wirklich, schönes Buch unbedingt reinschauen. Aber du hast eben so die eine Grafik und es ist einfach spannend zu sehen, weil du sagst, es gibt Bereiche, die sind dramatisch unterschätzt und Bereiche dramatisch überschätzt. Wirklich plakativstes Beispiel ist, es ist wichtig das Thema, aber eben nicht in Relation. Das Thema unverpackt, also Plastik, das Thema, ich habe meinen To-go-Becher, den ich jeden Tag nehme, weil er aus Alu ist, fühle ich mich gut, aber eigentlich viel spannender ist, in einem anderen Bereich was zu bewegen zusätzlich. Und die Frage ist aber, das ist vor allem privat, Ist das beruflich auch so, dass Unternehmen einfach bestimmte Bereiche dramatisch überschätzen und andere dramatisch unterschätzen oder sind die besser aufgestellt, weil die mit der CSRD Wesentlichkeitsanalysen machen müssen?
Gabriel Baunach [00:24:27]: Ja, mein Gefühl ist, dazu habe ich jetzt keine Untersuchung, dass ich sie jetzt wirklich sozusagen wissenschaftlich oder empirisch unterlegen kann, die Aussage, so wie ich das jetzt bei dem privaten Fußabdruck, den wir gerade besprochen haben, gemacht habe, im Buch auch. Aber mein Gefühl ist, dass es immer noch viele Unternehmen gibt, die so Symbolveränderungen im Büro machen, dass dann irgendwie in der Kaffeeküche dann irgendwie Mülltrennung angeboten wird, aber weiterhin eben Geschäftsreisen einfach ohne Blick drauf abgerechnet werden, wenn man das Flugzeug benutzt. Und dann nicht nur auf der operativen ebene sogar auch veränderungen angestoßen werden sondern dass eben das geschäftsmodell teilweise gar nicht angeschaut wird also wenn man jetzt in den 20er oder sogar bis in die 30er jahre hinein noch plant weiter Infrastruktur für fossile Energieträger auszubauen und dann seinen Mitarbeitenden aber suggeriert durch eine grüne Fassade mit etwas Pflanzen dran und einem grünen Logo, einer grünen Website und irgendwie Mülltrennung in der Kaffeeküche, dann passt da irgendwas nicht zusammen. Dann sind auch die Hebel wirklich ganz ganz ganz andere. Also das, was Unternehmen als Geschäftsmodell haben, ist weitaus relevanter als was in der Kaffeeküche passiert.
Zackes Brustik [00:25:40]: Okay, wir hatten das gerade so ein bisschen geframed unter den planlosen Aktivisten. Also Ich will was machen, aber habe einfach den Fokus falsch gesetzt, egal ob beruflich oder privat. Der andere Punkt sind die innerlich Zerrissenen. Das sind die Relevanten, weil hier kommt wieder die Handabdruck-Thematik rein. Ich will was machen, aber ich scheitere an den Strukturen mich herum. Sei es gesellschaftlich, du hattest das Beispiel Supermarktpreise oder auch in Unternehmen. Magst du da mal ein bisschen drauf eingehen?
Gabriel Baunach [00:26:06]: Ja, ich glaube, dass das eine der größten Gruppen ist heutzutage, dass eben viele Menschen innerlich spüren, okay, die Klimakrise ist tatsächlich da und ich sollte eigentlich auch noch ein bisschen mehr tun. Dann kommt aber das Thema so ein bisschen Unwissen. Was kann ich tun? Wo sind meine Hebel? Und dann auch das Scheitern an den Strukturen, an den nicht verfügbaren Alternativen für die eigenen Entscheidungen im Alltag. Und dann aber auch die soziale Komponente, dass es eben immer noch cool ist, häufig nach Bali zu fliegen, von irgendwelchen Instagram-InfluencerInnen vorgemacht und dass man hier und da immer noch belächelt wird, wenn man versucht, ein konsequent klimafreundliches Leben im Alltag zu führen oder man so ein bisschen der Öko-Outsider oder so ein bisschen Uncool rüberkommt. Das ist glaube ich nur hier und da und vielleicht vor allem auf dem Land immer noch der Fall. Wichtig sich klarzumachen ist bei dem Punkt auch oder für die innerlich Zerrissenen das Thema Klima Heuchelei und diese Vorwürfe. Das heißt, dass wenn man versucht, ein möglichst klimafreundliches Leben zu führen, daran scheitert, weil es eben noch nicht möglich ist, in den Strukturen wirklich auf null Emissionen zu kommen. Das schafft eigentlich keiner in Deutschland. Dann und dann sich eben für größere Veränderungen einsetzt, sei es gesamtgesellschaftlich politisch, indem man auf eine Demo geht oder im Unternehmen da wirklich die Stimme erhebt und sagt Hey, wir müssen da was tun. Wir müssen Veränderungen machen. Dann kommt es ja häufig dazu, dass einem individuell vorgeworfen wird, Moment, du möchtest etwas über Klimaschutz sagen, aber du bist auch letztes Jahr in den Urlaub geflogen. Oder hey, du hast auch noch ein Auto. Oder was ist denn, wenn du da immer noch Fleisch isst, ein paar Mal pro Woche? Und wichtig, sich klarzumachen, wenn man diese innerliche Zerrissenheit spürt, ist, dass diese Vorwürfe des Klimaheuchelns bei einem so großen Thema, einem globalen Thema und auch einem strukturellen Thema, das das eigene individuelle Entscheiden im Alltag übersteigt, eigentlich haltlos sind. Denn wer kann es, zum Beispiel, da bring ich in dem Buch auch das Beispiel, wer kann es einem Monopoly-Spieler oder einer Monopoly-Spielerin vorwerfen, dass sie noch nach den Regeln des Spiels spielt, aber andere Regeln fordert, wenn sie sieht, dass dieses Spiel, ja, den Bach runtergeht und eben die Lebensgrundlagen zerstört. Das heißt, wir müssen irgendwo uns klarmachen, dass wir noch in diesen Strukturen leben, dass wir noch nach diesen Regeln spielen müssen. Weil sonst, ja, ist ein Leben unmöglich heutzutage noch. Aber wir können und dürfen die Stimme dafür erheben, dass sich diese Spielregeln, die Preise und die Angebote verändern. Und da kommt natürlich vor allem die Politik und das Unternehmen, die Unternehmen ins Spiel.
Zackes Brustik [00:28:52]: Was denkst du, wie kann ich deinem Unternehmen wirksam werden, wenn ich jetzt nicht schon der Head oder die Head of Sustainability bin, sondern vielleicht in einer anderen Position und also jenseits dessen, was jetzt bereits durch den Gesetzgeber gefordert ist. Also wenn ich proaktiv über meine Jobrolle hinaus was bewegen möchte.
Gabriel Baunach [00:29:10]: Ja bei German Watch, die ja den Handabdruck in den deutschsprachigen Raum gebracht haben und auch wirklich als Konzept ausgearbeitet haben. Das ist eine deutsche NGO. Heißt das so schön, einen Handabdruck bewirkt man selten allein. Also, das ist eben der Unterschied zum Fußabdruck, den man allein beim Einkauf im Supermarkt irgendwie versucht zu reduzieren. Ein Handabdruck geht meistens und oft und am besten, indem man sich mit Menschen zusammentut. Und das wäre auch mein erster Tipp an alle Angestellten, sich in der Kolleginnenschaft mal umzuhören, sich mal zu trauen in der Lunchpause, in der, weiß nicht, beim Pendeln, wenn man Kollegen trifft, das Thema mal anzusprechen und sich da auch zu zeigen, sich zu trauen, zu sagen, hey, mir ist das Thema wichtig und eigentlich sollten wir da doch mehr tun. Was sind denn deine Ideen hier im Unternehmen? Und dann sieht man relativ schnell, wem das Thema auch am Herzen liegt und sich mit diesen Menschen mal zusammenzutun, eine kleine Klimagruppe zu gründen im Unternehmen. Das kann am Anfang ja ganz informell sein, indem man sich vielleicht alle zwei Wochen mal zum Lunchen trifft oder eine WhatsApp-Gruppe aufmacht oder Slack-Channel oder so ähnlich Und dann sich überlegt, wo können wir hier uns etwas vornehmen? Ein Handabdruckprojekt, was für alle unsere KollegInnen eine Veränderung bedeutet, sodass sie sich einfacher oder günstiger klimafreundlich verhalten können. Und da liegen natürlich Themen besonders nah, die die Angestellten direkt betreffen im eigenen Arbeitsalltag. Das ist eben das Thema Strom und Wärmeverbrauch am Arbeitsplatz zum Beispiel oder etwas konkreter das Thema Pendeln, Mobilität. Also wir haben schon über die Geschäftsreisen geredet, aber auch wie komme ich denn zum Arbeitsplatz und muss ich bei einer Beförderung unbedingt diese Verbrenner vorgesetzt bekommen, so standardmäßig und ist das dann auch erstrebenswert für alle oder können es auch E-Bikes sein, die ich dann vielleicht auch privat zu Hause nutzen kann und sich dann zu überlegen, ja, wo können die vielleicht geladen werden, haben wir dafür Stellplätze direkt am Eingang und so weiter oder das Thema Ernährung, Firmenkantine sich vorzunehmen. Und da geht eben gemeinschaftlich in dieser Klimagruppe etwas voran, was man alleine wahrscheinlich nicht bewirken könnte. Und da kann man noch größer denken, die Gewerkschaft in den Blick zu nehmen, den Betriebsrat mitzunehmen und so weiter.
Zackes Brustik [00:31:22]: In deinem Buch hast du ein schönes Zitat von Eckhard von Hirschhausen, das ich so noch nie gehört hatte und was wirklich sofort Klick gemacht hat, ist nämlich Das Wichtigste, was ein Einzelner tun kann, ist kein Einzelner zu bleiben.
Gabriel Baunach [00:31:34]: Richtig, sehr schön, ja.
Zackes Brustik [00:31:35]: Möglichst schnell nach Verbündeten zu suchen, unglaublich schönes Zitat. Hast du vielleicht ganz konkrete Beispiele von einem Menschen, der wirklich etwas in einem Unternehmen anstupsen konnte? Weil ich kann mir vorstellen, wenn ich eben über die Jobrolle hinaus was mache und dann auch noch irgendwie auf das vegane Menü in der Kantine, auf die E-Autos, mache ich mich ja wahrscheinlich erstmal bei allen anderen Mitarbeitenden, insofern sie keinen Bock drauf haben, unbeliebt. Das heißt, da brauche ich ja durchaus Mut und muss mich ein bisschen aus der Deckung wagen. Also hast du so ein, zwei Success-Stories von realen Menschen?
Gabriel Baunach [00:32:04]: Ja, man muss natürlich ein bisschen Überzeugungsarbeit leisten, auch ein Gefühl dafür haben, ist die Kolleginnenschaft dafür auch bereit, also ist da was zu holen und was sind da vielleicht die Themen, wo man was gewinnen kann. Eben da ist dann auch der Austausch wieder mit anderen wichtig in der Klimagruppe. Ja, also mich erreichen immer wieder Zuschriften von Leuten, die das Buch gelesen haben, die dadurch einen Impuls bekommen haben und begeistert waren und dann tatsächlich Sachen vorangebracht haben, auch im Unternehmen. Also dieses Thema Firmenkantine und da mir vegetarische Gerichte fordern, das hat auf jeden Fall bei einer Leserin geklappt. Ein anderes beschreibe ich ja im Buch, die jetzt weiß ich nicht mehr ganz genau den Namen, Amazon Employees for Climate Justice, heißt glaube ich die Gruppe, die ich da beschreibe, die eben so zur Zeit 2019, glaub ich, auch noch 2020, sich bei Amazon formiert hat. Anfangs wirklich nur von zwei Mitarbeiterinnen. Und dann sehr schnell, sehr massiv gewachsen ist und dann letztendlich dazu geführt hat, dass Jeff Bezos wahrscheinlich etwas früher als das sonst gemacht hätte, diese ambitionierten Klimaziele für Amazon verkündet hat und sich da bei Amazon tatsächlich viel getan hat in der Zwischenzeit. Man kann den Konzern immer noch kritisieren und Steuerfragen und so weiter stellen. Aber es hat sich zumindest etwas verbessert. Das ist eben dieser Gruppe Amazon-Employees für die Climate Justice zuzuschreiben. Wobei ich der Ehrlichkeit halber dazu sagen muss, dass diese zwei Mitarbeiterinnen, die das Ganze angestoßen haben, mittlerweile nicht mehr im Konzern sind. Man vermutet, sie wurden entlassen, weil sie dann doch den Kopf zu sehr aus der Deckung gesteckt haben. D.h. Natürlich muss man da ein bisschen aufpassen, dass man nicht zu sehr über die Stränge schlägt. Aber ich glaube, sanfter MitarbeiterInnen-Aktivismus, wenn man es so nennen möchte, ist angebracht. Und oft rennt man da auch offene Türen ein. Heutzutage ist das Thema ja wirklich bei allen credible Unternehmen irgendwie auf der Fahne. Und da kann man sie dann auch bei den eigenen Commitments und den eigenen Slogans auf der Website ja packen und sagen Mensch, wir nehmen uns das vor, steht in unseren, ja, AGB ist fast schon drin oder zumindest in unseren Manifestos und in der Werbung und da müssen wir jetzt auch intern mehr tun.
Zackes Brustik [00:34:18]: Du hast ja auch gesagt, clever ist wahrscheinlich, sich gleich mit dem Betriebsrat zu verbünden.
Gabriel Baunach [00:34:23]: Genau, oder mit der Gewerkschaft. Also da gibt es ja zum Beispiel jetzt das Beispiel Verdi, eine der größten in Deutschland, die sich zusammen mit Fridays for Future Wir fahren zusammen ausgedacht haben, diese Kampagne und für eine sozial gerechte, klimafreundliche Mobilität einstehen und dafür auch auf die Straße gehen und zusammen demonstrieren. Und da kann man dann als Angestellter natürlich auch mitgehen und das ist eben sogar verfassungsrechtlich geschützt.
Zackes Brustik [00:34:50]: An der Stelle gibt es wie immer einen Shoutout ins Nachhaltigkeitsökosystem mit einer persönlichen Empfehlung von mir, die euch dabei hilft, eure Missionen voranzutreiben. Diesmal will ich euch einen Podcast ans Herz legen, der euch dabei hilft, eins der kniffligsten und auch brenzligsten Themen der Nachhaltigkeit zu knacken, nämlich die Nachhaltigkeitskommunikation. Im Sustainable Brand Stories Podcast von Strichpunkt Design geht Host Harald Wellenbrock der Frage nach, wie wir mit einem so komplexen und aufgeladenen Thema wie Nachhaltigkeit positiv inspirieren, berühren und Menschen in Bewegung setzen, ohne uns dabei in die Nesseln zu setzen. Und dass es dafür nicht nur eine einzelne Folge, sondern einen ganzen dezidierten Podcast braucht, sieht man daran, dass wirklich selbst so gestandene Nachhaltigkeitspioniere wie Veleda bei diesem Thema immer noch am strugglen sind. Erfahrener Journalist und Autor, der Harald ist, schafft es dann zum Beispiel mit Menschen wie Lars Zirpens, dem Markenverantwortlichen von Veleda, genauestens herauszuarbeiten, warum ein ultra-nachhaltiges Produkt nicht gleichzeitig bei den KundInnen ein Selbstläufer ist, wenn man nicht das Thema wahrgenommene Relevanz oder Differenzierung erfolgreich gelöst hat. Richtig spannend finde ich aber auch zum Beispiel die Folge mit Sophia Rödiger, Chief Marketing Officer bei 1,5 Grad, die darüber erzählt, wie man ein so negativ und angstbesetztes Thema wie zum Beispiel Energiewende positiv auflädt und in eine Bewegung umwandelt, die zum Beispiel 1,5 Grad innerhalb von zwei Jahren zum Unicorn hat werden lassen. Wenn euch also die Nachhaltigkeits-Transformation so sehr auf Trab hält, dass ihr nur noch Zeit für einen einzigen weiteren Podcast habt, dann lasst das die Sustainable Brand Stories sein und hört bei Harald und seinen Gästen, wie ihr eure wertvolle Arbeit jetzt auch noch konsequent und effektiv kommunizieren könnt. Also einfach nochmal schnell in eurer Podcast App Sustainable Brand Stories eingeben, Häkchen machen für das Abo oder auf den Link in den Show Notes klicken. Und damit zurück zu Gabriel. Wir haben jetzt gerade vor allem so aus der Angestellten-Sicht drauf geschaut. Schauen wir mal so ein bisschen aus der Boss-Sicht drauf. Angenommen gibt es ja in Deutschland ganz viele eigentümergeführte Unternehmen. Das heißt, wenn ich der oder die Unternehmerin an der Spitze bin, welche Hebel habe ich dann in der Hand, die ich vielleicht nutzen kann. Also wie können Unternehmen wirklich aktiv werden?
Gabriel Baunach [00:37:04]: Ich meine gerade hier unter den Zuhörenden sind wahrscheinlich die Begriffe dann jetzt schon alle rauf und runter bekannt. Irgendwie messen, reduzieren, Offsets und Scope 1 bis 3, messen und reduzieren der Emissionen. Das alles ist natürlich super wichtig und da startet die Reise, dass man eben auch den Fußabdruck des Unternehmens als Ganzes reduziert und das ist ja wieder viel, viel größer als das, was die Chefs privat bei ihrem Fußabdruck tun können. Das heißt, ja, den Fußabdruck des Unternehmens reduzieren kann der Handabdruck, kann die Handabdruckvergrößerung einer Person sein, die da die Entscheidung trifft. Aber ich habe eben die Idee geäußert im Buch und auch den Vorschlag gemacht, das Unternehmen als Ganzes auch zu betrachten und sich zu überlegen, was kann der Handabdruck oder eine Handabdruckvergrößerung des Unternehmens als Ganzes sein? Also auch Organisationen haben einen Handabdruck oder können einen Handabdruck vergrößern. Und das geht als Unternehmer, Unternehmerin über drei Wege. Erstens, und das liegt vielleicht so am nächsten am klassischen Unternehmerverständnis, neue Produkte und Dienstleistungen entwerfen und auf den Markt bringen und da wirklich mit langem Atem rein investieren, die die Klimawende beschleunigen und unterstützen. Das kann zum Beispiel ein Startup sein, das bisher Steuereinreichungen unbürokratischer gemacht hat und einfacher gemacht hat für die User, Userinnen mit irgendeiner App. Und dieses Steuerstartup kann sich überlegen, dieselbe Denke auf den Antrag einer PV-Anlage zum Beispiel umzumünzen. Also da ist ja heute auch noch ziemlich viel Papierkram auszufüllen, wenn man sich eine PV-Anlage aufs Dach oder sogar nur ein Balkongrafwerk besorgen möchte. Und da vielleicht eine neue Software zu entwickeln, es den UserInnen zu erleichtern, sich eine Solaranlage zu besorgen.
Zackes Brustik [00:38:54]: Cooles Beispiel, das ich kurz einwerfen würde, weil die waren in der letzten Folge vor Weihnachten kurz 60 Sekunden an Bord. Uberge, super schöne Story. Stefan Noller, den CEO, kenne ich schon seit zwölf Jahren Und die hatten als Tech-Unternehmen, haben die gemeinsam mit IBM den Koffpass für die Bundesregierung umgesetzt, weil die auf Blockchain-Technologie spezialisiert waren und haben dann aus einer Entscheidung des gesamten Teams heraus beschlossen, Wir wollen jetzt nicht weiter auf so technologische Projekte abzielen. Wir wollen wirklich auf das Thema Klima einzahlen und haben den Pivot gemacht hin zu einer Scope3-Plattform. Das heißt, die nutzen all die Technologie, die sie hatten, jetzt so eine Scope3-Daten oder einen Scope3-Marktplatz aufzubauen. Das wäre für mich das perfekte, reale Beispiel zu dem, was du gerade theoretisch umrissen hast. Kleiner Exkurs.
Gabriel Baunach [00:39:36]: Ja, super, super Beispiel. Und das bringt natürlich auch den Unternehmen langfristig viel, denn erstens kann man im sogenannten Talent War irgendwie noch motiviertere, intrinsisch motiviertere Talente anziehen, langfristig natürlich Kosten sparen und es ist einfach auch ein gutes Gefühl, gerade als ja Eigentumsgeführtes Unternehmen, da wirklich mit einem guten Gewissen abends ins Bett zu gehen, dass man der zu gesamtgesellschaftlichen ökologischen Wende möglichst viel beiträgt. Und das zweite Hebel ist, dass Unternehmen ja viel oft auch etwas Soziales tun. Da gibt es dann irgendwie die Volksbank vor Ort, die irgendwie einmal im Jahr einen Scheck überreicht an den Fußballverein für neue Netze oder irgendetwas. Sich da auch zu überlegen, was ist unser Sozialprojekt? Wirklich Non-Profit, dass wir etwas abgeben von unseren Gewinnen. Gibt es ja mittlerweile auch diese Initiative 1 Percent for the planet, wobei das glaube ich der Umsatz ist sogar, dass man ein Prozent des Umsatzes stiftet und spendet an Klimaschutzprojekte weltweit oder auch Aktivismus, so wie es Patagonia oder Ecosia auch machen. Und da kann man direkt dann natürlich weiter denken, wenn ich schon die zwei Unternehmensbeispiele nenne, das gesamte Unternehmen in eine Stiftungskonstruktion zu überführen. Das ist natürlich jetzt sehr weit geschossen, aber vielleicht ist das sowieso manchen Menschen ein Anliegen. Vielleicht auch, weil die Nachfolgegeneration fehlt oder ähnliches. Ja, und das dritte thema ist dann auch ein besonders wichtiges finde ich und zwar das ganze thema politische stimme politischen handabdruck vergrößern als unternehmen viel unternehmen sind ja in verbänden und Verbände haben eben eine große Stimme bei den PolitikerInnen und haben natürlich einen Einfluss auf die Gesetzgebung für alle Menschen. Und da kann man eben sich noch konsequenter öffentlich positionieren für Klimaschutz, für faire, nachhaltige Wettbewerbsbedingungen. Und das nicht nur öffentlich tun, indem man zum Beispiel offene Briefe an die Regierung unterschreibt oder initiiert, sondern auch natürlich durch die Hintertür. Also manche Unternehmer und Unternehmerinnen, gerade wenn es große Unternehmen sind, haben direkte Kontakte zu PolitikerInnen oder können ja auf irgendwelchen Kongressen und Wirtschaftsgipfeln eben doch auch die Stimme erheben und sich positionieren.
Zackes Brustik [00:41:56]: Seien wir ehrlich, wie stark wird dieser Hebel genutzt? Ich bin auch Mitglied beim BNW, also Bundesverband Nachhaltige Wirtschaft.
Gabriel Baunach [00:42:03]: Genau, das wäre so ein Verband.
Zackes Brustik [00:42:04]: Im Prinzip ein Lobbyverband für zukunftsfähige Wirtschaft, aber mega cool, unglaublich gute Arbeit, die die CEO Katharina Reuter macht. Die ist quasi eine Lobbyistin for good, seit sie 16 ist. Also Respekt vor diesem Thema. Aber ich glaube, die Mitgliederzahlen sind im dreistelligen Bereich. Ich habe es gerade nicht im Kopf. 300, 600 Mitgliederunternehmen ungefähr. Da sind ein paar der Leuchttürme mit dabei, VAUDE oder sowas. Aber ich glaube, das Große der deutschen Unternehmen ist definitiv nicht dabei. Also gibt es wirklich Unternehmen, die sich trauen, sich dazu exponieren?
Gabriel Baunach [00:42:37]: Ja, ja, richtig. Ich würde da allgemein mitgehen mit deiner Analyse. Also es gibt immer noch viel mehr Unternehmen, die sich nicht positionieren oder sogar gegen Klimaschutz einsetzen und das natürlich nicht öffentlich, sondern eher durch die Hintertür und über Verbände und direkte Kontakte zu den Regierungen. Das ganze Thema Klimaschmutzlobbyismus, den Titel eines Buchs von zwei Journalisten mal zu zitieren, wo man das Ganze wunderbar nachlesen kann, wie sehr da eben noch gegen Klimaschutz Kampagnen gemacht werden und so weiter und so fort, ist eben leider noch ein sehr großes, aber das heißt ja nicht, wir sind ja gerade bei den Hebeln, die einzelne Unternehmer oder Unternehmerinnen haben, dass man nicht trotzdem mit seinem Unternehmen sich dann positionieren kann oder einem Verband beitreten kann, der sich für Klimaschutz einsetzt. Und da gibt es einzelne Beispiele, also gerade bei den Koalitionsverhandlungen zu unserer jetzigen Regierung, Bundesregierung in Deutschland. 2021 gab es einen großen offenen Brief, der von vielen großen Unternehmen in Deutschland unterschrieben wurde. Darunter waren, meine ich, Allianz und andere wirklich sehr, sehr große Unternehmen. Und es gibt international dasselbe jetzt auch bei der COP 28 mit der We Mean Business Coalition, die einen Brief zusammengestellt haben an die Staatslenker in den weltweit für mehr und konsequenten und ambitionierten Klimaschutz, wo letztendlich Unternehmen unterschrieben haben, die insgesamt weit über eine billionen euro Also nicht billigen us dollar sondern wirklich eine über eine billionen euro umsatz haben Und das wird schon gehört Also das hat einen Einfluss und das sollte man nicht unterschätzen. Und auch wenn es im Vergleich die Minderheit ist, setzt es einen gewissen Ton und da können dann VerhandlungsführerInnen in der Politik sich auch immer drauf berufen. Das heißt, das ist ein Thema, was glaube ich sehr, sehr wichtig ist. Mehr Klimaschutzlobbyismus zu betreiben und auch zu spenden. Unter anderem auch an Parteien. Denn dasselbe wird auch gegen Klimaschutz getan.
Zackes Brustik [00:44:40]: Die zwei perfekten Themen für schon die Einflugschneise zum Wrap-up, nämlich Spenden und Gehörtwerden aka Protest. Sei es als Unternehmen in Verbänden, sei es als Bürgerinnen dieses Landes draußen auf der Straße. Beides mal kurz aufgedröselt. Fangen wir mit dem Spenden an. Kurz vor Weihnachten habe ich die 20.000 Follower auf LinkedIn geknackt und dachte mir, geil, das nutze ich, indem ich mit For Tomorrow, mit Ruth von Heusinger, das ist so ein Aufforstungs-Startup, die war in Folge 4 zu Gast, indem ich 20.000 Kilo 2 offsette, das heißt pro Follower in einen Kilo, ich glaube das waren insgesamt 1.600 Euro, keine kleine Summe, aber hätte ich die besser investieren können? Also wie spende ich effektiv? Angenommen ich habe 100 Euro, wo sollte ich 100 Euro einsetzen, damit sie wirklich gut wirken?
Gabriel Baunach [00:45:23]: Das ist erstmal eine schwierige Frage, weil es braucht tatsächlich alles und klar, gespendetes Geld fehlt überall, Man kann so viel Gutes tun mit Spenden. Aber es gibt natürlich dann die Frage, wie spende ich beim Thema Klima möglichst so, dass es systemisch und für eine strukturelle Veränderung wirkt. Und
Zackes Brustik [00:45:45]: Wenn ich
Gabriel Baunach [00:45:45]: ganz an den Anfang der Kausalkette gehe, wie große gesellschaftliche Veränderungen entstehen, dann lande ich relativ schnell beim Aktivismus. Und das hat sich, ja, auch ein Paper, wenn man's so nennen möchte, eine Analyse im Stanford Social Review zum Thema gemacht und eben untersucht, wo kann man einen Euro möglichst effektiv einsetzen, sodass möglichst viele Tonnen Treibhausgase am Ende gespart werden durch politische Veränderungen, die beschleunigt wurden durch den Aktivismus, den man mit diesen Geldern, den Spendengeldern eben ermöglicht hat.
Zackes Brustik [00:46:16]: Ganz konkret, also die 1632 Euro sind erstmal zu For Tomorrow und kurz da nochmal die Mechanik erklärt, For Tomorrow kann mir eine Spendenquittung schicken, das heißt ich kriege gar keinen kleinen Prozentsatz wieder zurück nach der Steuer, das heißt ich habe nochmal ein paar hundert Euro in der Hand, die ich, während die Aufnahme läuft, nochmal spenden werde, indem ich dann mit der Community eine Umfrage mache, wo das hingehen soll. Der Betrag ist noch offen. Gebt mir mal einen Tipp, wo der hingehen sollte. Also was wäre effektiver gewesen als For Tomorrow?
Gabriel Baunach [00:46:43]: Ich finde es wichtig zu sagen, an For Tomorrow zu spenden ist auch sehr, sehr gut und richtig. Und auch an Greenpeace und WWF zu spenden und so weiter. Nur eben diese Untersuchung beim Stanford Social Review hat eben ergeben, dass an Protestbewegungen, die auch unter anderem zivilen Ungehorsam einsetzen, einiges effektiver ist. Also an Extinction Rebellion 2019 gespendet zu haben, hat weitaus mehr bewirkt als dieselbe Spendensumme an Sunrise Movement, Greenpeace oder ähnliche bekannte Umweltorganisationen und Bewegungen. Das heißt, ich würde sagen, an Extinction Rebellion oder Fridays for Future zu spenden, hat bestimmt auch einen sehr, sehr großen Einfluss.
Zackes Brustik [00:47:24]: Da rollen sich bestimmt gerade die Fußnägel auf. Ich kann mir nicht viele Unternehmen vorstellen, die sich denken, wenn unsere Kundin mitbekommt, dass wir gerade eine nicht gerade kleine Summe an die Extinction Rebellion, vielleicht sogar die letzte Generation geschickt haben, haben die bestimmt Angst.
Gabriel Baunach [00:47:39]: Ja, deswegen vielleicht diversifizieren. Also genauso wie beim Investieren, die Spenden zu diversifizieren, wäre glaube ich mein Tipp. Also ein bisschen hierhin, ein bisschen dahin.
Zackes Brustik [00:47:49]: Aber begründe es doch mal. Du hast jetzt die Chance, kurz den Pitch zu machen. Also, welche Art von Protestform ist wirksam? Aus deiner Sicht? Und warum? Also würdest du sagen Friday for Future, würdest du sagen Extinction Rebellion, würdest du sagen Letzte Generation. Wie positionierst du dich oder die Wissenschaft dahinter? Du hast gesagt, Studien haben das durchleuchtet, was besonders wirksam ist.
Gabriel Baunach [00:48:09]: Es braucht immer beides, beziehungsweise alle friedlichen Protestformen, weil es dann zu einem sogenannten Radical-Flank-Effekt kommen kann, den wir 2019 gesehen haben bei Fridays for Future und Extinction Rebellion. D.h. Es gab diese moderate Demonstrationsbewegung Fridays for Future, die ein sehr legitimes und moralisch einwandfreies Auftreten hatte. Da gehen Kinder auf die Straße für ihre Zukunft. Auch zum Teil ein bisschen ziviler Ungehorsam, weil sie sind ja nicht in die Schule gegangen freitags. Aber gut, das wurde am Anfang stark diskutiert. Da war erst mal die Meinung so dagegen. Dann kam aber Extinction Rebellion auf den Plan und hat eben noch radikaler protestiert, wirklich durch Straßenblockaden und so weiter. Und das hat dazu geführt, dass die öffentliche Meinung zwar gegen Extinction Rebellion war, so dass war dann doch zu krass. Und das finden wir nicht gut, dass die da irgendwie Kunstblut auf die Treppen in Hamburg gießen und sich irgendwie komisch verkleiden und trommeln und den Verkehr blockieren und in London sich auf irgendwie U-Bahnen klettern. Aber ja, eigentlich ist Klimaschutz ja schon sehr, sehr wichtig. Und deswegen sind wir jetzt doch für Fridays for Future. D.h. Der Radical Flank-Effekt besagt Folgendes. Wenn es eine radikalere Protestgruppe gibt, die sich friedlich verhält, das ist ganz wichtig, d.h. Keine Gewalt einsetzt, und bei Sabotage ist man sich nicht so einig, was das bewirkt, da gehen die Meinungen auseinander, aber zumindest keine Gewalt gegen Menschen einsetzt, dann kann es dazu führen, dass die moderateren Teile der sozialen Bewegung, die dieselben Ziele haben, mehr unterstützt werden und dadurch der Druck auf die Politik natürlich massiv sich erhöht, dass sich etwas tut. Und da kann eben solcher ziviler Ungehorsam von Extinction Rebellion zu wirklich einem Aufbruch des politischen Diskurses führen und vorher Undenk- oder unsagbares kann dann denk- und sagbar gemacht werden. Auf der anderen Seite sehen wir das leider gerade auch bei dem was die Rechten machen. Also Rechtsextreme versuchen sich auch diesen Radical-Flank-Effekt zunutze zu machen und versuchen eben die Baseline zu shiften von dem was denk- und sagbar ist und das sehen wir ja leider im politischen Diskurs jetzt auch in Deutschland.
Zackes Brustik [00:50:20]: Während wir diese Folge aufnehmen ist Woche 2 des Jahres 2024, da können wir das natürlich ganz konkret bei den Bauernprotesten verfolgen, die quasi gerade wirklich von der extremen Rechten gekapert werden mit Galgen beim Protest und dergleichen.
Gabriel Baunach [00:50:34]: Genau, aber das funktioniert eben auch bei progressiven Themen und das ist eben wichtig zu sagen und das kann man unterstützen, weil du wolltest ja, dass ich den Pitch für Existential Rebellion hier mache.
Zackes Brustik [00:50:42]: Ja, aber eben, wir wollen nicht den Galgen bei den progressiven Protesten, die wollen wir auf keinen Fall. Nein, das ist ja undemokratisch. Weil ich glaube, das Wichtige ist nämlich auch zu sagen, stand in deinem Buch, das fand ich eine schöne Zahl, friedliche Proteste sind doppelt so wirksam wie gewaltvolle oder aggressivere Protestformen, oder?
Gabriel Baunach [00:51:00]: Untersuchungen, wo sich Proteste und soziale Bewegungen, Veränderungen angeschaut wurden von 1906 bis 2006. Why Civil Resistance Works lautet der Titel dieser Untersuchung. Und da kam eben raus, dass friedliche Proteste und friedliche Revolutionen sogar, es wurden sich auch Revolutionen in Diktaturen angeguckt, weitaus effektiver waren, weil eben viel anschlussfähiger.
Zackes Brustik [00:51:23]: Bei der Gelegenheit der Bogen zurück, was können Unternehmen tun? Das heißt, wenn Unternehmen sich nicht trauen zu spenden an zum Beispiel FFF oder an die Extinction Rebellion, Was sie natürlich jederzeit machen können ist, zu sagen, am Tag von Klimaprotesten, zum Beispiel September ist immer der große internationale, ne?
Gabriel Baunach [00:51:39]: Ja genau, September und März gibt es auch meistens einen.
Zackes Brustik [00:51:41]: Zumindest allen Angestellten freizugeben.
Gabriel Baunach [00:51:43]: Ja, zum Beispiel, genau, das habe ich auch schon erlebt bei einem Startup, wo ich mal gearbeitet habe, da sind wir dann alle zusammen einfach beim globalen Klimastreik mitgegangen. Das ist auch ein cooles Gefühl und bringt auch was.
Zackes Brustik [00:51:54]: Und es ist nicht nur ein cooles Gefühl, das Wichtige ist sozusagen wirklich in der Zeit, die man hat auch auf die Straße zu gehen, wirkt. Oder? Es wird wahrgenommen, auch dazu gibt es ja Studien, darauf will ich hinaus. Es ist nicht nur für das eigene Gefühl, oh jetzt habe ich ein Pappschild gemacht, kann ein Selfie von mir machen, das auf LinkedIn posten, sondern das Wichtige ist, es kommt an, oder?
Gabriel Baunach [00:52:12]: Nee, auf jeden Fall. Es wirkt. Ja, also Wir hätten 2019 nicht das sogenannte Klimapaket bekommen und die CO2-Bepreisung in Verkehr und Wärme, wenn nicht da 1,6 Millionen Menschen auf die Straße gegangen wären im September. Das ist ganz, ganz sicher. Also PolitikerInnen schauen auch natürlich immer auf die Demonstrationen, wie viele Menschen da teilnehmen. Und jede Gruppe von 10 Leuten, die mehr oder weniger auf eine Klima-Demo geht, hat auf jeden Fall einen Einfluss.
Zackes Brustik [00:52:42]: Letzter Punkt, letzte Minuten, das passt nämlich wunderbar. Du schreibst auch von positiven Kipppunkten. Wir haben ja immer alle Angst vor den negativen Kipppunkten. Da sieht auch alles extrem schlecht aus, gerade was die neuen planetaren Grenzen angeht. Aber viel zu selten reden wir über die positiven Kipppunkte. Welche gibt es und welche könnten wir knacken?
Gabriel Baunach [00:53:00]: Ja, da gibt es eine schöne Untersuchung von der Transformationsforscherin Ilona Otto zusammen mit dem Potsdam Institut für Klimafolgenforschung, dem PIK. Die haben sie 2020 rausgebracht. Es ist auch sehr schön mit einer Grafik visualisiert. Das kann ich allen Zuhörerinnen und Zuhörern, die sich für soziale Kipppunkte im Klimathema interessieren, sehr ans Herz legen, sich das anzuschauen. Die nennen eben verschiedene Hebel, wie wir positive soziale Kipppunkte für Klimaschutz triggern können. Und zwar, indem wir Klimabildung überall voranbringen und auch verankern. Das richtet sich natürlich vor allem an Bildungsinstitutionen, aber auch hier wieder an Unternehmen.
Zackes Brustik [00:53:34]: Ich glaube sogar noch mehr an Unternehmen, weil seien wir ehrlich, bis eine Bildungsinstitution das an den Start bringt, ist in anderthalb Dekaden vergangen. Gerade Unternehmen können das wahrscheinlich viel schneller und effektiver und vor allem bei den Menschen, die dann auch was bewegen können, an den Start bringen, oder?
Gabriel Baunach [00:53:47]: Guter Punkt. Ja, auf jeden Fall. Da ist Schnelligkeit key und da eine Nachhaltigkeitsreise für die MitarbeiterInnen einmal im Monat, alle zwei Wochen oder auch nur alle zwei Monate anzubieten mit anderthalb, zwei Stunden Arbeitszeit, ist denke ich erstens angebracht und zweitens sehr effektiv und kommt dann ja wiederum auch dem Unternehmen zugute, wenn dann gute Ideen dabei rumkommen und Projekte. Dann die Verbrennung von fossilen Energieträgern unmoralisch zu machen, da also ein Normshift irgendwie hin zu kriegen, das ist natürlich jetzt 2024 noch einfacher, seitdem die COP28 die Abkehr von fossilen Brennstoffen in den Abschlusstext geschrieben hat. Also, selber haben wir ja auch als Menschheit mit der Sklaverei geschafft oder mit der Apartheid, dass es einfach unmoralisch ist, dass die Menschen sagen, das tut man nicht. Also man verbrennt einfach keine Kohle mehr und baut schon gar nicht neue Kraftwerke dafür. Das müsste das Ziel sein. Es wirkt so ein bisschen utopisch vielleicht jetzt noch 2024, aber das wird, glaube ich, irgendwann der Fall sein in den 30er oder 40er Jahren. Dann überall Emissionen messen und transparent machen, das ist auch für Unternehmen, glaube ich, sehr wichtig. Alle Subventionen von fossilen Energieträgern beenden und Investitionen in neue fossile Infrastruktur beenden. Ja, natürlich die Energiewende voranbringen, erneuerbare Energien überall zu skalieren und ganz wichtig Städte klimaneutral machen. Also den Menschen wirklich zu zeigen, wie schön, gesund und positiv, ruhig und sicher klimaneutrale Städte sind und auch bezahlbar langfristig. Also da macht Paris gerade viel vor mit Radwegen und Begrünung. Kopenhagen, jeder der schon mal da war, ist begeistert von dieser Stadt. Das können wir auch hier in Deutschland, in Berlin und in Köln schaffen. Auch wenn es im Moment noch nicht so aussieht.
Zackes Brustik [00:55:29]: Kleiner Hinweis, Kopenhagen hat in den 60er Jahren damit angefangen, also vor mittlerweile 60 Jahren. Das ist ein langer Weg, deswegen muss man heute anfangen und das nicht nochmal zehn Jahre verschieben.
Gabriel Baunach [00:55:41]: Richtig. Also all das sind Triggerpunkte für soziale Kipppunkte, die wünschenswert sind.
Zackes Brustik [00:55:45]: Uns auf diese Kipppunkte hinzuarbeiten und seinen Beitrag zu leisten, vor allem in unserer Rolle in Unternehmen, schließen wir die Folge ab, wie du auch dein Buch abschließt. Du schließt, ich sage jetzt mal in meinen Worten, die zehn Gebote des Gabriel Baunach für effektiven Klimaaktivismus. Was sind deine drei wichtigsten Gebote für professionelle KlimaaktivistInnen da draußen? Was möchtest du noch an ihr Hand geben?
Gabriel Baunach [00:56:07]: Ja, sich eine Gruppe suchen. Also dieser Satz von Eckhardt Flünischhausen, das Wichtigste, was ein Einzelner jetzt tun kann, ist kein Einzelner zu bleiben, sich wirklich zu Herzen zu nehmen, weil das erstens effektiver ist, ins Handeln zu kommen, man damit mehr bewirken kann. Zweitens ist es besser für das eigene Wohlbefinden, die eigene Resilienz, wenn man eine Gruppe hat, der Gleichgesinnten, die das Thema auch verstehen, die die Dringlichkeit verstehen, denen das am Herzen liegt, und die handeln. Da ist ein Satz, glaub ich, von Greta Thunberg sogar, ganz entscheidend und wichtig. Hoffnung entsteht durch Handeln und nicht andersrum. Das heißt, Hoffnung ist nichts, was ich irgendwie passiv von außen mir irgendwie nehmen kann, sondern ich muss sie kultivieren und nähren und schüren, indem ich handle innerlich. Das wäre mein erster Punkt. Der zweite ist, sich eine Natur- oder Verbundenheitspraxis zu suchen oder eine Routine, vielleicht sogar spiritueller Natur, wenn das jetzt nicht so esoterisch klingt, also sekulär, spirituell, also dass wir uns wieder begreifen als Teil des gesamten Ökosystems, dieses gesamten Planeten der Natur. Das kann eine halbe Stunde Waldspaziergang jeden Morgen sein und einfach in Stille ohne Handy, ja, das wieder zu spüren, dass wir Lebewesen, verbundene Lebewesen dieses wunderbaren Ökosystems global sind. Und das Dritte ist, sich immer wieder auf Positives und bereits Geschafftes auszurichten. Da fand ich grade diese LinkedIn-Posts sehr schön, Ende 2023. Positive Sachen, die 2023 passiert sind fürs Klima. Von lauter Leuten, die sich da engagieren. Das hat mir ein total gutes Gefühl gegeben. Also immer wieder auch sich auf die guten Sachen, die geschafft wurden, ausrichten und zwischen Erfolge feiern. Unbedingt feiern, wenn man was geschafft hat und auch mal Spaß haben und Leuten auch mal etwas schenken und sich am Weihnachtsbaum freuen.
Zackes Brustik [00:58:00]: Wichtigste Message zum Schluss würde ich sagen, ihr müsst nicht als Unternehmen perfekt dastehen, traut euch das nach außen zu kommunizieren, macht kein Greenhashing, also habt nicht Angst vor irgendwie einem negativen Backlash, sondern diesen Diskurs braucht es, genau das. Es braucht unglaublich viele positive Beispiele, das ist das, was motiviert ein andere einlädt auch aktiv zu werden. Vielen Dank Gabriel für diese Auftaktfolge. Es war mir ein Fest, es war ein großartiges Thema und viel davon werden wir in den nächsten Folgen auch noch vertiefen. Im besten Fall schon in der zweiten Folge, dann habe ich nämlich, ich würde mal sagen, den Meister des Aktivismus in Deutschland am Start, nämlich Heinrich Strößenreuther. Ich glaube, es gibt wenige Menschen, die so viele Menschen für die unterschiedlichsten Themen mobilisiert haben, für Petitionen und dergleichen, Ratpetitionen. Er hat unglaublich viel Städteveränderung auf den Weg gebracht und ist jetzt Teil der Klima Union und im Verbund wird er mit Bertram Fleck, einem Lokalpolitiker, der mit seiner Gemeinde unglaublich viel bewegt hat, das heißt mit den zwei werde ich darüber reden, wie schaffen wir es möglichst effektiv andere Menschen zu gewinnen und mit an Bord zu holen? Nämlich genau das, was auch Gabriel gerade gesagt hat. Das Wichtigste ist, kein Einzelner zu bleiben. Und wenn wir viele sind, darauf einzuwirken, dass sich vor allem die Gesetze verändern und die Strukturen. Das heißt, das Thema werden wir, wenn die Aufnahme klappt, schon in Folge 2 perfekt fortführen. Danke dir, Gabriel.
Gabriel Baunach [00:59:21]: Ah super, da werde ich sogar selber mal reinhören, weil ich bin großer Fan von Heinrich Strößenreuter. Also super, dass der hier im Podcast kommt. Große Hörempfehlung an alle.
Zackes Brustik [00:59:29]: Dann freuen wir uns beide drauf. Also ich freue mich euch bei der nächsten Folge wieder mit an Bord zu haben. Bis dahin connectet euch mit Gabriel und mit mir auf LinkedIn, denn dort werden wir die Diskussion natürlich weiterführen und ich weiß zumindest in meiner Community, aber bestimmt auch in Gabriel, sind unglaublich viele Sustainability Professionals. Das heißt, vernetzt euch, werdet mehr. Die Links findet ihr in den Show Notes.
Über Gabriel Baunach:
Gabriel ist der Gründer der Klimawissensplattform Climaware, Podcast-Host von zwei Klima-Podcasts und Autor des Buches 'Hoch die Hände, Klimawende!". Er hat sich darauf spezialisiert, das komplexe Wissen rund um Nachhaltigkeit einfach verständlich zu komprimieren und uns auf für konkrete Handlungen zur Verfügung zu stellen.
Hier geht es direkt zum Buch: https://www.emf-verlag.de/buecher/sachbuecher/gesellschaft-aktuelle-debatte/hoch-die-haende-klimawende/978-3-7459-1843-4
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Cover-Foto: Anna Masiukiewicz