Hoang zeigt, warum klare Positionierung in konservativen Branchen besser wirkt als Diplomatie.
Stell dir vor, du hast ein Produkt, das CO₂ nicht nur reduziert, sondern für negative Emissionen sorgt. Aber deine Zielgruppe ist die Baubranche, also ausgerechnet eine der konservativsten und risikoscheuesten Branchen in Deutschland. Hoang Anh Nguyen schafft es dennoch seine Kunden zu überzeugen. Und er macht es mit klarer Kante.
Im Gespräch mit Podcast-Host Zackes Brustik teilt der Chief Growth & Communications Officer von ecoLocked seine drei persönlichen Strategien, mit denen er aus skeptischen Gegenübern manchmal echte Green Champions formt. Und warum klare Positionierung dabei wichtiger ist als Diplomatie.
✅ Wie du dich klar positionierst, ohne deine konservative Zielgruppe zu verlieren.
✅ Warum Green Premium kein Totschlagargument ist und wie du es in ein Gespräch über Wettbewerbsfähigkeit verwandelst.
✅ Weshalb ETS, EU-Taxonomie und Kreditwesengesetz in der Realwirtschaft kaum ankommen, und was das für deine interne Kommunikation bedeutet.
✅ Warum Biochar, Kohlenstoffsenken und negative Emissionen die nächste große Chance in der Baubranche sind.
Eine Folge für alle, die das Gefühl haben, mit ihren Nachhaltigkeitsthemen gerade allein auf weiter Flur zu sein. Mache mit kleinen Details in der Kommunikation den Unterschied, der dir hilft deine Ziele und Themen im Unternehmen wieder voranzutreiben. Und positioniere dich wieder offensiv mit deiner Mission.
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Hoang Anh Nguyen [00:00:04]: Ich habe aber auch erlebt, zu deiner Frage, wie es dann beim Gegenüber ankommt. Und da ist es tatsächlich gar nicht so negativ, weil man immer in so einem Diskussionsraum ist, wo man sagt, agree to disagree. Ich teile deine Meinung nicht und ich muss ja nicht deine Meinung teilen. Du lebst in einem ganz anderen Umfeld, du bist ganz anders sozialisiert. Du hast deine Themen, ich habe meine Themen. Aber es ist doch cool zu wissen, dass da irgendwie so eine Art demokratischer Diskurs stattfindet, wo man wirklich miteinander spricht und sagt, ey, okay, wow, du glaubst dann nicht an die Ziele im nachhaltigen Bauen, fein für dich. Du glaubst nicht an meine Themen, fein für mich. Und ich glaube, das ist etwas, wo ich auch darauf hinwirken will, dass einfach Leute immer sich so ein bisschen gerne mehr positionieren und da auch eine gewisse, erlebe ich zumindestens auch, die das Gegenüber eine gewisse Sympathie dann auch am Ende hat. Was Teil des Ganzen auch sein muss, ist immer mit 1 gewissen Ehrlichkeit hier zu argumentieren. Also die meisten Innovationen im nachhaltigen Bauen, die kosten mehr Geld. Punkt. Es gibt immer ein gewisses Green Premium. Und diese Zusatzkosten, die stehen ja erst mal als Nummer auf dem Papier, die kann man erst mal nicht wegdiskutieren. Das heißt, ich sage das, aber ich lege daneben und das ist dann auch immer eine Aufgabe in der Vorbereitung zu gucken, was kann man noch dagegen setzen, dass die Leute sehen, dass das darüber hinaus verschiedene andere monetäre Vorteile gibt.
Zackes Brustik [00:01:19]: Stellt euch für einen Moment vor, ihr hättet ein ultra innovatives Produkt, das nicht nur nachhaltig ist, sondern langfristig sogar für negative Emissionen sorgen könnte. Aber ihr seid ausgerechnet in 1 der konservativsten Branchen in Deutschland, die ultra zahlen- und margenfokussiert ist, nämlich die Baubranche. Wenn ihr es dann trotzdem schafft, euer Gegenüber abzuholen, dann wisst ihr, wie man richtig kommuniziert. Und genau so einen Menschen habe ich in dieser Folge zu Gast. 1 meiner absoluten Lieblingsmenschen, wenn es gute Nachhaltigkeitskommunikation geht. Er wird uns seine 3 wichtigsten Strategien verraten, mit denen er aus Skeptikern manchmal sogar geradezu Green Champions formt. Aber auch ein seiner größten Fails, das ist so ein Typischer Fail, den man ganz oft auch als Quereinsteiger in im Bereich Nachhaltigkeit oft macht. Das Besondere am Hemdgast ist, dass er sich dabei auf LinkedIn wirklich mit klarer Kante positioniert und das bei Themen, die man angesichts von der konservativen Kundengruppe eigentlich oft eher ausklammern würde, Stichwort Migration oder Diversity. Warum es also schafft, sich einerseits klar zu positionieren, andererseits sein Gegenüber aber dennoch abzuholen, das liegt an den kleinen, feinen Details. Wir werden hören, welche das sind und wie wir sie für unsere Arbeit in unserer Branche selber nutzen können. Mein Gast heißt Hwang Anuyan. Er ist Chief Growth und Communication Officer bei Ecologt und war vorher lange Head of Communication bei Alcemi. Ecologt ist ein Startup, das es schafft, Biokohle in Beton beizumischen und so die Emission wirklich drastisch senkt. Alcemi Wiederum ist ein Startup, das KI einsetzt in der Betonproduktion und auch so die Emissionen drastisch senkt. Ihr erfahrt also zwischendurch und nebenbei immer so ein bisschen wirklich spannendes Wissen zum Thema Biochar, negative Emissionen, Kohlenstoff senken oder wie man mit KI wirklich handfest Emissionen senken kann bei bestehender Infrastruktur. Außerdem gibt mir Huang auch noch einen Reality-Check, was es von all den aktuellen Regulationen, auf die wir gerade in unserer Bubble noch viele Hoffnung setzen, Stichwort Kreditwesensgesetz, ETS 1 und 2, in der Praxis, in der Realwirtschaft wirklich ankommt. Freut euch also auf eine Folge, nach der ihr eure Themen im Unternehmen erfolgreicher vorantreiben könnt, aber auch auf einen Beitrag dazu, wie wir es schaffen in Deutschland generell die wichtigen Zukunftsthemen überhaupt erst wieder gemeinsam und konstruktiv verhandeln zu können. Und damit herzlich willkommen bei Gewinne Zukunft, dem Nachhaltigkeits-Podcast der Pioniere und Professionals. Mein Name ist Zakkes, ich freue mich enorm, dass ihr wieder mit an Bord seid. Wie Ihr wisst, verbringe ich die 2 Wochen zwischen jeder Folge auf zahlreichen Konferenzen. Was ich da an brandneuen Erkenntnissen, frischen Trends einsamme, das erfahrt ihr in meinem www.zackescom/newsletter. Los geht's. Moin Hoang, schön dich mit an Bord zu haben.
Hoang Anh Nguyen [00:04:03]: Ja, moin, Zeck. Schön, dass ich dabei sein darf.
Zackes Brustik [00:04:05]: Richtig cool. Also, ich kenne dich seit 4 Jahren und ich muss ehrlich sagen, wenn es Kommunikation geht, bist du 1 meiner absoluten Lieblingsmenschen. Ich kann mich noch daran erinnern, ich war beim KI-Campus in Berlin Und ich glaube, damals warst du noch relativ frisch bei Alsemi, auch ein Baustartup, auch als Communication Officer, und hast das gepitcht und das war einfach der coolste und beste und ich sage mal formvollendeste Pitch des Abends. Seitdem folge ich dir auf LinkedIn und ich feiere wirklich deine Inhalte. Also richtig schön, dich endlich nach 4 Jahren mit an Bord zu haben.
Hoang Anh Nguyen [00:04:32]: Ja, freut mich auch. Ich folge dir ja seitdem auch und damals war das wirklich so der Einstieg für mich auch zu schauen, wie man Kommunikation auch vermittelt, wie man Pitches gestaltet. Also ich war da, ich weiß nicht noch, auch vor 4 Jahren super nervös und mittlerweile hat sich aber seitdem sehr, sehr viel getan.
Zackes Brustik [00:04:48]: Das Spannende ist, du hast dich ja seitdem nur weiterentwickelt, während quasi das Thema Nachhaltigkeit, die Baubranche und natürlich in Deutschland generell alles sich rückwärts entwickelt hat. Das heißt, wie du schaffst quasi die Leute trotzdem abzuholen, Das ist wirklich der Kern dieser Folge. Ich nehme mal an, es ist egal, ob du in 1 Startup oder eben in 1 normalen, traditionellen Unternehmensperspektive bist, ihr kennt alle so ein bisschen den ähnlichen Pain. Wenn man vom Thema Nachhaltigkeit überzeugt ist, gerade mit einem Rollback steckt, Also wie äußert sich das bei dir im Alltag? Auf was für Reaktionen stößt du da, sobald das Thema aufkommt?
Hoang Anh Nguyen [00:05:20]: Es hat sich gewandelt, lass uns so sagen. Und das spüren wahrscheinlich auch die Zuhörerinnen und Zuhörer, die in anderen Branchen stecken. Ich glaube, vor 4, 5 Jahren war das Thema Nachhaltigkeit und Innovation noch ganz anders wahrgenommen worden. Also da haben wir das Thema an die Hersteller gepitcht, an die Betonindustrie und da gab es eine Offenheit, da gab es irgendwie auch so einen Druckpunkt, weil man festgestellt hat, wir müssen was tun, wir müssen auch die Ziele regulatorisch erfüllen, beispielsweise durch den Emissionszertifikate Handel. Das heißt, unsere Produkte müssen nachhaltiger werden und ihr bietet eine Lösung an. Das hören wir uns jetzt mal an. In den letzten Jahren, und das wissen wir auch alle, hat sich die Welt deutlich verändert. Durch die ganzen Multikrisen, die wir haben, ist das Thema Klimaschutz und auch Nachhaltigkeit ein bisschen weiter in den Hintergrund gerückt. Und da sind wir momentan eher so dabei, dass wir wieder immer erklären müssen, warum wir das Ganze tun. Erklären müssen, dass wir eben eine Lösung sind, die auch auf die Langfristigkeit und auch auf die Wettbewerbsfähigkeit des Unternehmens setzt. Dass man eben heute vielleicht ein Investment tätigen muss, letztendlich ein zukunftsfähiges Produkt zu haben. Und dieser Erklärbedarf, der ist wieder stärker geworden. Das war früher tatsächlich anders in den Gesprächen. Aber, und da muss ich das Ganze auch sagen, wenn man jetzt die gesamte Bau- und Immobilienbranche sieht, mit der wir auch viel sprechen, mit allen Akteuren entlang dieser Wertschöpfungskette, dann erleben wir trotzdem, dass es Menschen gibt, die weiterhin Bock darauf haben. Also wirklich so die Champions, die Leute, die sagen, okay, ich lasse mir jetzt nur, weil jetzt mir der Gegenwind gerade ins Gesicht bläst, lasse ich mich jetzt davon nicht unterkriegen, sondern ich setze mich trotzdem dafür ein im Unternehmen selbst und mache auch die Ressourcen möglich. Das heißt, wir erleben auch so nahe so ein kleines Jetzt-erst-recht-Gefühl bei vielen Leuten.
Zackes Brustik [00:06:55]: Es gibt noch ein paar Unternehmen, die dieses Jetzt-erst-recht-Gefühl haben. Ich nehme an, das ist so eine wichtige kleine Insel. Aber unsere große Mission ist ja natürlich, uns nicht auf diese kleine Insel zurückzuziehen, sondern zu schauen, wer schwimmt im großen Meer und wen wollen wir wirklich abholen und wie schaffen wir in diesem Bild gesprochen mehr Landmasse für das Thema Nachhaltigkeit. Wie steht es denn da aktuell? Also ich glaube, wir haben alle dafür ein Gefühl, die Baubranche ist wahrscheinlich eine der wichtigsten in Deutschland, unsere Klimaziele zu erreichen. Wie ist da gerade der Stand? Sind wir einigermaßen on track?
Hoang Anh Nguyen [00:07:27]: Es geht, sagen wir, es geht voran, aber zu langsam. Also Note würde ich sagen vielleicht 3 Minus. Es tut sich was in den Unternehmen. Wie gesagt, gibt es eine gewisse Dynamik. Es gibt ja auch Regulatorik, die klar in diese Richtung einzahlt. Wir erleben gleichzeitig, dass beispielsweise auch im Verkehr und im Bausektor die Ziele, die Klimaziele auch gerissen werden. Das heißt im Bausektor, der ja weltweit für 38 Prozent der globalen CO2-Emissionen verantwortlich ist und im Baumaterialbereich, der ja auch für signifikante Emissionen und Verwendung von Primärressourcen verantwortlich ist. Da erleben wir momentan, dass sich der Markt langsam so ein bisschen verändert und in die Richtung konsolidiert. Aber wir sind noch lange nicht dabei, dass wir sagen können, da gibt es jetzt wirklich in der Masse Unternehmen, die sagen, sie haben eine Langfriststrategie und wollen das Ganze auch implementieren. Das hat verschiedenste Gründe. Das liegt daran, dass eben die Dynamik im Markt momentan eher eine gegenteilige Richtung ist. Das liegt aber auch daran, dass beispielsweise die regulatorischen Anforderungen so unklar formuliert sind. Das beispielsweise für einen Immobilienentwickler, der jetzt eine große Gewerbeimmobilie baut und dass der dann schaut, okay was ist das, sind die betriebsbedingten Emissionen, das was ich während des Betriebs 1 Immobilie einsparen kann. Das wird adressiert, aber das Thema embodied carbon, nämlich die grauen Emissionen, das was verbaut wird im Gebäude, wenn ich einen Neubau baue, das ist etwas was interessiert wahrgenommen wird, aber noch nicht irgendwie voll in konkrete Maßnahmen überführt wird.
Zackes Brustik [00:08:55]: Du hast es gerade das Thema Regulation angesprochen. Wie sieht es denn aus, wenn wir da den Rundumschlag machen von EU-Taxonomie zu, was ich vor ein paar Folgen hatte das Thema Kreditwesen-Gesetz, wo die Hoffnung war, alles was an Transitionsplänen bei den Unternehmen rausgestrichen wurde, kommt jetzt durch die Hintertür, weil ab 2026 die Banken ihren Transitionsplan vorweisen müssen und dann natürlich in ihrem Portfolio wieder bei den Unternehmen zu den Datenanfragen. Es gibt die EU-Gebäude-Richtlinie, auf die eigentlich noch viel Hoffnung gesetzt wurde, mitten im Rollback. Kommt da irgendwas von bei euch im Markt spürbar an? Ich glaube auf Immobilienebene kommt das durchaus an, also auch die EU-Taxonomie, die Formulierung von ESG-Kriterien für
Hoang Anh Nguyen [00:09:34]: den Immobiliensektor, das heißt, dass man werthaltige Immobilien auch schaffen muss, die dann beispielsweise in Immobilienportfolios dann auch überführt werden. Da gibt es einen gewissen Nachhaltigkeitsdruck, der ist aber ganz ganz oben und wir bewegen uns ja in dieser Wertschöpfungskette ganz ganz unten. Wir befinden uns so, ich sage immer gerne liebevoll, im Maschinenraum, die die am Ende die Werte auch schaffen, also all das was an Baumaterial umgesetzt wird. Und da kommt der Druck tatsächlich bei den Herstellern nicht an. Und das erleben wir ganz viel, dass die dann uns sagen, wir hätten theoretisch auch Interesse, unsere Produktportfolios umzustellen, aber wir machen das nur, wenn der Markt auch bereit dafür ist. Natürlich versteht man auch, wenn dann ein Hersteller sagt, wir würden jetzt nicht proaktiv unseren nachhaltigeren Beton anbieten, wenn das in der Ausschreibung gar nicht verlangt ist, weil dann würden wir natürlich einen Wettbewerbsnachteil gegenüber unseren Mitbewerbern haben. Das heißt, da ist man in so 1 gewissen Warteposition momentan, tut das Nötigste, entwickelt gerade neue Produkte, aber so wirklich die Skalierung, die erfolgt wirklich erst, wenn von oben ganz, ganz klar der Druck kommt und ganz, ganz klar die Anforderungen auch an die Hersteller geliefert werden, was sie denn letztendlich dann auch bereitstellen müssen, diese Ziele zu erreichen.
Zackes Brustik [00:10:43]: Wer da wirklich tief eintauchen will, Ich hatte ja genau vor einem Jahr auch den Holz in Deutschland CEO zu Gast, 1 der größten Beton- und Zementhersteller in Deutschland. Wer wissen will, warum wir da einen riesen Batzen an Potenzial liegen lassen mit dem Thema öffentliche Ausschreibung, also allein schon 500 Milliarden Haushalt im öffentlichen Bereich, der kann da reinhören, auch wie schwierig das ist, wenn es eben keine Ausschreibungsvorgabe ist und plus dann auch nicht definiert ist, mit welchen Kriterien oder Standards grüner Beton dann grün tatsächlich ist. Also ein Riesenthema, wo wir wirklich noch hinterher sind. Hört gerne in die Folge mit Holz im Rhein. Aber warum wir hier noch ein bisschen ausführen ist, wirklich zu sehen, vor welcher Klippe du stehst und warum dann deine Strategien so effektiv sind. Weil es ist halt kein Selbstläufer. Ihr habt ein richtig cooles Produkt, wo man sagen müsste, das sollte weggehen wie warme Semmel. Aber man muss wirklich für arbeiten. Wir kommen gleich drauf. Ich habe noch eine Klippe und das ist der ETS 1 und 2. Irgendwie scheint das ja gerade so ein bisschen zu wackeln. Ich habe heute morgen glaube ich noch mal in die Nachrichten geguckt. Es gibt eine neue Idee, dass die EU sagt, wenn Unternehmen in Europa investieren, dann lockern wir für die quasi die ETS-Vorgaben. Also ETS 1, 2, die ganze Unsicherheit, auch in Deutschland der Widerstand, der sich formiert, da überhaupt quasi an diesem Ast zu sägen. Wie kommt das bei euch an, diese Unsicherheit?
Hoang Anh Nguyen [00:11:56]: Die kommt massiv an. Der ETS, der ich glaube, der wurde ja 2005, 2006 eingeführt auf europäischer Ebene für die Schwerindustrie, also Zement, Chemie, Stahl. Und im Zement muss man ehrlicherweise sagen, dass das einen richtig großen Impact hatte. Also wir können das Ganze messbar machen anhand von wie hoch der Klinkeranteil, nämlich das CO2 verursachte Material im Zement ist. Und der ist signifikant am Anfang und dann schrittweise immer weiter runtergegangen aufgrund der Aussicht, dass der Emissionszertifikatepreis natürlich steigt und man je mehr Klinker man auch produziert und einbaut in dem Zement, dass man auch mehr CO2-Preise zahlen muss. Das heißt, er hatte eine gewisse Wirkung, auch wenn das System immer mal wieder kritisiert wurde, dass die Preise zu niedrig sind oder dass beispielsweise die Hersteller noch kostenfreie Zertifikate allokiert bekommen, damit sie eben ihre Produktion langsam umstellen können. Das hat nichtsdestotrotz für eine gewisse Dynamik und so eine Nachschärfung im Mindset geführt. Wir müssen was tun, wir müssen mal an verschiedenen Lösungen arbeiten. Die Realität ist aber jetzt, und das erlebe ich ganz viel, weil ich auch mit vielen großen Zementherstellern in Deutschland gesprochen habe, dass durch diese Unsicherheit und das durch diese konstanten Angriffe und Vorschläge, denen aufzuweichen und zu reformieren, dass dort das Gefühl auftritt, okay, wie können wir uns sicher sein, dass unsere Langfriststrategie, die auf Klimaneutralität und auf klimaneutrale Zemente fokussiert ist, nicht am Ende konterkariert wird, dadurch, dass es keinen ETS in der Form mehr gibt. Das heißt, durch alle Gespräche hinweg haben mir ganz viele gesagt, ja, sie wünschen sich, dass dieser ETS in der Form, wie er besteht, auch weiterhin da ist, weil er so eine Art Leitplanken liefert, das Thema auch strategisch intern als Nachhaltigkeitsmanager beispielsweise auch gegenüber dem Management immer wieder zu forcieren und zu sagen, hey ihr wisst im alltäglichen Doing das und das ist wichtig, aber wir haben hier ein klares Ziel, was von der EU vorgegeben ist. Und das dann unter Angriff zu setzen und unter Beschuss zu nehmen, das schafft eine gewisse Unsicherheit, die sich wirklich auch auf das tagtägliche Business dann ausführt.
Zackes Brustik [00:13:53]: Und genau da setzen wir jetzt an. Wenn du sagst,
Hoang Anh Nguyen [00:13:55]: es gibt viele, die sich
Zackes Brustik [00:13:56]: den ETS und Klarheit wünschen langfristig, dann redest du wahrscheinlich eben eher vom CSO, also Chief Sustainability Officer, weniger vom CEO. Die sägen gerade eher lobbytechnisch dran, zumindest wenn sie bei den üblichen Verdächtigen, also den großen energieintensiven Emittenten, arbeiten. Und da auch eher in der Manager-Position als in der Inhaber-Position. Das sind die Menschen, die ich auf den Panels immer noch sehr verächtlich über das Thema reden höre und wie sehr wir uns da ins Aus schießen. Also, wir kommen zu deinen 3 Strategien. Ich habe ja versprochen, du hast wirklich harte Nüsse vor dir sitzen und du hast im Vorfeld gesagt, du schaffst es ganz oft wirklich aus Skeptikern dann Green Champions zu machen unter deinen Kunden in der gemeinsamen Kommunikation. Was sind deine 3 Strategien? Wir fangen gleich mit der ersten an und was ist so die Ausgangslage, wenn es bei dir losgeht?
Hoang Anh Nguyen [00:14:42]: Also ich würde sagen, die erste Strategie klingt banal, ist aber essentiell. Sprich die Sprache deines Gegenübers. Also ich habe ja im alltäglichen Doing von dem Geschäftsführer 1 Immobiliengesellschaft, 1 Wohnungsbauunternehmens bis hin zu dem mittelständischen Bauunternehmer oder auch dem Transportbeton oder Fertigteilhersteller wirklich unterschiedliche Zielgruppen sitzen. Und innerhalb dieser Unternehmensgruppen gibt es dann noch unterschiedliche Ansprechpartner. Zum Beispiel mal ist es der Nachhaltigkeitsmanager, mal ist es der Innovationsbeauftragte, mal ist es tatsächlich direkt der Geschäftsführer, CEO. Und vorab 1 Gespräches, und da habe ich am Anfang auch viel Lehrgeld gezahlt, überlege ich mir immer und setze mich hin und sage, was interessiert diese Person eigentlich. Weil ich spreche am Ende über ein Thema, was verhältnismäßig nischig ist. Also Beton ist zwar ein Material, was jeder kennt und irgendwie jeder in seinem alltäglichen Rumlaufen in der Stadt auch sieht. Das ist das Fundament unserer Zivilisation. Alles besteht aus Beton, aber trotzdem ist einem jetzt nicht die Tragweite dieses Materials bewusst. Und selbst die Leute, die wirklich nah am Gebäude arbeiten und Gebäude entwickeln, für die ist Beton halt nur ein einziges Baumaterial. Das heißt, ich setze mich dann hin und überlege mir, okay, es bringt nichts technisch zu tief reinzugehen und darüber zu sprechen, wie die Betonbauqualitäten sind, wie das CO2 pro Kubikmeter ist, was ist überhaupt ein Kubikmeter Beton, was für eine Menge ist das, die dann in mein Gebäude fließt. Sondern ich setze mich hin, das Gegenüber checke ich zum Beispiel bei LinkedIn und dann basierend darauf überlege ich mir, was für eine konsistente Sprache möchte ich sprechen. Ein Immobilienentwickler interessiert sich mehr für CO2 pro Quadratmeter. Der interessiert sich darüber, wenn er zum Beispiel eine DGNB-Zertifizierung anstrebt für das Gebäude, dass wie das Thema Beton hier positiv auch Einfluss nehmen kann bei der Bewertung des Gebäudes. Er interessiert sich darüber, wie ich das ganze Marketing technisch verpacken kann, meine Brand, die ich als Immobilienentwickler habe, auch nach außen hin zu vertreten. Das heißt, diese ganzen Themen, die versuche ich zu integrieren und damit dann eine gewisse Begeisterungsfähigkeit zu schaffen für ein verhältnismäßig nischiges Produkt.
Zackes Brustik [00:16:41]: Da werden wir jetzt wirklich ganz konkret in die bildhaften Beispiele reingehen. Kurze Ergänzung, du hast gesagt DGNB. Für mich, ich glaube, das ist die Deutsche Gesellschaft für nachhaltiges Bauen, sozusagen eine der Goldstandards, was Zertifikate in der Branche angeht. Je höher man da rankt, umso wertvoller ist wirklich auch dem Immobilie und ich sehe das ganz oft, wenn ich durch Städte fahre und man sieht so diese großen Tafeln, wo was entwickelt wird. Die Leute werben tatsächlich immer noch damit. Also das überrascht mich immer positiv, dass ich jetzt auch 2026 immer noch auf den großen Tafeln sehe, dass ganz prominent damit geworben wird. DGNB zertifiziert so oder so. Also das heißt, das scheint wirklich sich direkt auf den Wert auszuzahlen. Du hast jetzt gerade Kubikmeter versus Quadratmeter gesprochen. Wir schieben kurz ein, was macht Ecolog mein Verständnis und dann korrigiere mich. Also ihr nehmt Biochar, also Biokohle, das heißt von anderen Produzenten, die zum Beispiel aus Lebensmittelabfällen oder Resten oder Bio-Resten sozusagen die, die durch Pyrolyse verkohlen, dann nutzt ihr diese Biochar, da ist CO2 langfristig wirklich auf hunderte oder 1000 Jahre gebunden potenziell, die kann man zum Beispiel im Boden vergraben, das machen andere Anbieter. Ihr nehmt das aber, veredelt das und habt dadurch ein neues Produkt, was ihr dann im Backcomb beimischen könnt, anstatt zum Beispiel Kiesel oder so. War das richtig formuliert?
Hoang Anh Nguyen [00:17:52]: Also da merkt man, dass du auch ein Kommunikator bist, weil es war perfekt erklärt.
Zackes Brustik [00:17:57]: Und das Schöne, Faszinierende fand ich, dass ihr quasi es schafft, ich glaube pro Kilo Biochar 3 Kilo CO2 zu binden im Beton. Das heißt, wie ist da die Gesamtbilanz dann von herkömmlichen Beton zu eurem Beton oder quasi Beton, das mit eurem Beimischprodukt hergestellt wurde?
Hoang Anh Nguyen [00:18:14]: Da ist das große Potenzial. Das bedeutet, diese 1 zu 3 liegt daran, dass Biochar als sogenannte Carbon Removal Technologie auch gilt. Eine anerkannte Technologie, die auch zertifiziert ist. Das heißt, eine Technologie, die CO2 aus der Atmosphäre nimmt und irgendwo speichert, momentan, Biochar. Und wir sehen das Potenzial, wie du auch richtigerweise gesagt hattest, das Ganze im Speichermedium Beton zu lassen, weil Beton natürlich per se einfach ein langfristiges, dauerhaftes Material ist und hier auch die Speicherung hoffentlich für Gebäude 100, 150, 200 Jahre dann auch mindestens passiert. Aber selbst nach dem Rückbau beispielsweise, wenn das Ganze recycelt wird, bleibt das CO2 auch im Beton gespeichert. Da gibt es unzählige Studien, weil das Ganze in der Regel nur zerkleinert wird und auch zurückgeführt wird. Und was wir bei Ecologt spannenderweise dann machen mit dem Thema CO2 und der Bilanz im Beton ist, dass wir es schaffen, den Fußabdruck des Betons signifikant zu reduzieren. Und in Zukunft, damit sehen wir uns immer so ein bisschen als letzten Schritt zur neutralität, CO2-Neutralität oder sogar darüber hinaus, das heißt in Anführungssprüchen Klima- Positivität. Und momentan können wir, und da gibt es Unterscheidungen zwischen den Betonanwendungen, bei tragenden Bauteilen, also all das, was höhere Anforderungen hat, können wir durchaus heute schon 30, 40, 50 Prozent nur durch unseren Ansatz reduzieren. Bei nicht tragenden Bauteilen, wie jetzt zum Beispiel Pflasterstein oder Betonstein, die so als Dachziegel sind, oder beispielsweise Betonmöbel oder nicht tragenden Fertigteilen, da können wir heute schon auf CO2-neutral gehen.
Zackes Brustik [00:19:47]: Krass, ich muss da kurz rein, weil CO2-neutral ist richtig, richtig wichtig. Das heißt, ihr wärt damit ja sozusagen pariskonform. Also jemand, der sich das reinholt, hat einen Stoff und wenn du neutral bist, bist du sogar 10 Prozent besser als pariskonform, weil da wären 90 Prozent notwendig. Das heißt, das hilft wirklich dem Gesamtprojekt, also über die direkte Verwendung des Bauteils hinaus.
Hoang Anh Nguyen [00:20:08]: Genau, exakt. Es wäre in dem Sinne, und das ist dann auch alles durch eine Umweltproduktdeklaration und in anderen Ländern beispielsweise wie der Niederlande, da hat auch ein Kunde schon so ein Lifecycle Assessment gestaltet, wo das dann auch klar berücksichtigt wird als Kennziffer und als Nachhaltigkeitswert, bedeutet wir haben da Produkte mit verschiedenen Herstellern schon, die heute schon eben dieses CO2 Neutralitätsthema erreichen.
Zackes Brustik [00:20:34]: Was spannend ist, jetzt wer die letzten 3, 4 Minuten mit uns angehört hat, dem geht es wahrscheinlich wie uns. Man ist begeistert drüber, man ist in den Details, man redet über Lifecycle Assessment, man redet über Biochar, negative Emissionen, Parisziele, denkt sich auch, das müsste weggehen wie warme Semmeln, das ist doch ein Selbstläufer, das ist die Technologie, auf die wir alle warten, etwas, das CO2-neutral, vielleicht langfristig sogar positiv ist. Wie geil ist das denn? Und wahrscheinlich, das war ja unsere Ausgangslage, dein eher technikversiertes Immobilienunternehmer gegenüber gähnt oder steigt halt aus, weil er nur die Hälfte der Begriffe versteht. Wie erzählst du diese Geschichte dann so einem, ich sag mal eher skeptischen Gegenüber und wir legen noch 1 drauf, vielleicht sogar so ein konservatives Gegenüber, dem das Thema voll gegen den Senkel oder gegen den Strich geht?
Hoang Anh Nguyen [00:21:17]: Ja, das ist dann die Herausforderung oder die Nuss, die es zu knacken gilt. Ich versuche dann immer am Anfang 1 Gesprächs dem Gegenüber so ein bisschen herauszulocken, ja warum man sich jetzt mit mir eine halbe Stunde hingesetzt hat. Das heißt, wahrscheinlich wurde man vom Teamland schon gebrieft, wenn es der Geschäftsführer ist und der sagt mir, ja, ganz interessant, ich habe die Präsentation gesehen, will mich mal ein bisschen mehr informieren und dann versuche ich aber auch das Bigger Picture aufzuzeigen. Das heißt, ich steige gar nicht mit den Betonqualitäten und der Herausforderung, wie man das Ganze einbringt, ein, weil das interessiert den am Ende nicht. Manchmal ist es ein Bauingenieur, manchmal ist es auch jemand, der fachnah ist, aber in der Regel braucht er das nicht wissen, sondern der muss nur wissen, dass das Material diese gewisse CO2-Negativität mit in den Beton reinbringt und den Fußabdruck signifikant senken kann. Und dann frage ich ihn immer so in der Regel bei einem Gespräch, wie viel Gebäude baut ihr pro Jahr? Und dann sind das so, ja, wir sind hier ein Anbieter von Fertighäusern. Wir bauen hier 300 Häuser pro Jahr. Und dann frage ich ihn immer, ja, aber wie viel Beton nutzt ihr dann? Oder baut ihr schon mit Holz oder mit anderen Baumaterialien? Dann kommt fast immer die Antwort, ja wir bauen natürlich auch mit Beton. Das heißt, die Bodenplatte, die immer mit Beton sein muss oder Holzhybrid hat ja auch Betonelemente, das heißt überall hast du das Baumaterial Beton weiterhin. Und dann versuche ich ihm klarzumachen, hey ihr wollt ja auch in 40, 50, 60, 70, vielleicht 100 Jahre auch weiter operieren und ihr werdet auch weiterhin mit Beton bauen. Das heißt, es wird die Herausforderung geben, dass ihr in den nächsten Jahren keine Produkte mehr finden werdet, die so aussehen wie der heutige Normalbeton, weil die Anforderungen ganz, ganz klar in Richtung Nachhaltigkeit steigen werden. Das heißt entweder ihr beschäftigt euch in den nächsten Jahren damit, dann ist es fein, dann werdet ihr aber eventuell von der Welle erfasst, weil dann die Wettbewerber sich schon proaktiv mit dem Thema beschäftigt haben und das Ganze schon strategisch implementiert haben. Oder ihr fangt jetzt schon an, macht die ersten Pilotprojekte, sichert euch schon mal die ersten Verträge zu und könnt da sozusagen vor der Welle schwimmen. Das heißt, ich versuche da immer so eine Art Langfriststrategie mit reinzubinden und abseits des Themas Beton. Und das ist etwas immer meistens, was dann zieht, weil die Leute dann auch wissen, das ist einfach ein unersetzliches Material für mich in meiner Unternehmung, in meiner Branche.
Zackes Brustik [00:23:28]: Ich gehe rein, wirklich noch mal festzuhalten, was du kommunikativ machst, weil das sind ganz kleine, aber wichtige Details. Erstmal fragst du deinen Gegenüber, warum er überhaupt hier ist. Also wirklich zu wissen, so mit welchem emotionalen Zustand ist er da sozusagen, wurde er verdonnert, mit dir zu reden, hat er Bock drauf? Das heißt, du weißt ja wirklich, wie geht es deinem Gegenüber, wie kannst du ihn da abholen? Also, das ist einfach wirklich schon mal eine Frage stellen, anstatt gleich begeistert mit dem Thema reinzugehen. Dann hast du ja auch gesagt, du lässt dir von deinem Gegenüber bestätigen, dass das Thema für dich relevant ist. Also, wenn du danach fragst, ob die mit Beton bauen werden, dann weißt du eigentlich schon, die werden ja sagen. Das heißt, du hast ihn schon mal dazu gebracht, selber ja zu sagen, anstatt dass du es eben versuchst aufzudrücken. Und dann holst du ihn ab und machst so, okay, ihr baut mit Beton und das kommt langfristig auf euch zu. Also das ist rein kommunikativ einfach schon mal ein sehr empathisches Vorgehen. Klar, das ist strategisch, aber es ist trotzdem noch authentisch und gut, würde ich sagen. Wir hatten das subsumiert und in der ersten Strategie wirklich die gleiche Sprache deines Gegenübers zu sprechen und wirklich all das, was uns begeistert, vor der Türe zu lassen und in eine Sprache zu packen, die für den Immobilienunternehmer relevant ist. Langfristige Immobilienwerte umgerechnet in eine andere Kennzahl auf Quadratmeter, nicht Kubikmeter, jadejadeja. Und jetzt kommen wir noch zu dem anderen Thema. Ich glaube, das wird wahrscheinlich deine zweite Strategie. Die denken halt, selbst wenn du sagst, das kann regulativ kommen oder nicht, denken die jetzt, ja okay, ich glaube du hast ja gesagt, ihr könnt vor der Welle sein oder mit der Welle, dann denken sie ja nehmen wir lieber mit die Welle, weil ich rechne auch vor allem in Euro pro Quadratmeter und das heißt alles, was ich die nächsten Jahre noch sparen kann, hilft mir gerade mit allen anderen Krisen zurechtzukommen. Also was wäre da deine zweite Strategie mit wirklich so marschend bedachten und dann auf den letzten Cent rausgedrückt denkenden Menschen?
Hoang Anh Nguyen [00:25:10]: Ja, das ist auch dann die Herausforderung, die sich hier stellt. Ich glaube, was Teil des ganzen auch sein muss, ist immer mit 1 gewissen Ehrlichkeit hier zu argumentieren. Also die meisten Innovationen im nachhaltigen Bauen mit Beton oder auch anderen Baumaterialien, die kosten mehr Geld. Punkt. Es gibt immer ein gewisses Green Premium. Das heißt, es gibt bestimmte Materialien, die auch eine positive Eigenschaft haben, beispielsweise Bauzeit und und und. Aber es gibt einfach generell den Aspekt, dass es heute so ist, dass man mehr dafür bezahlen muss. Und diese Zusatzkosten, die stehen ja erst mal als Nummer auf dem Papier, die kann man erst mal nicht wegdiskutieren. Das heißt, ich sage das, aber ich lege daneben und das ist dann auch immer eine Aufgabe in der Vorbereitung zu gucken, was kann man noch dagegen setzen, dass die Leute sehen, dass das darüber hinaus verschiedene andere monetäre Vorteile gibt. Ein gutes Beispiel ist, als ich mit einem Projektentwickler, einem größeren büroimmobilen Entwickler, als ich noch bei Alcemi war, diskutiert hatte, dass die Zusatzkosten bei mehreren 10.000 Euro sind für eine CO2 optimierte Betonvariante. Da war man erst mal so kritisch, weil man gesagt hatte, es ist schon viel Geld und momentan der Baumarkt ist auch ein bisschen unter Druck. Das heißt, ist man bereit, das auszugeben? Und habe ich mit denen gemeinsam und das war dann auch mit den Kommunikationsleuten dieses Projektentwicklers, habe ich dann entworfen, okay, wir liefern euch nicht nur das Material und wir bauen es nicht nur gemeinsam ein und machen es erfolgreich, sondern wir liefern euch auch eine Art Co-Marketing Strategie mit. Das heißt, wir sprechen gegenseitig miteinander auf Panels, in Zeitungen, Interviews und und und über dieses Thema und liefern einen gewissen Mehrwert mit. Und am Ende nach so einem halben Jahr, als das Projekt stand, hatten wir eine kleine Auswertung gemacht und dann geguckt, okay, was hatte das gebracht? Dann hat es einen Artikel im Handelsblatt gebracht, dann hat es noch weitere unzählige Artikel überall, LinkedIn-Posts und und gebracht und das habe ich dann einfach monetär in Anführungsstrichen versucht abzudecken und zu zeigen, hey, die Sichtbarkeit, die ihr durch einen Handelsblattartikel jetzt bekommen habt oder durch ein anderes Medium, das ist so und so viel wert in der Regel und das habt ihr, wenn ihr das gegenrechnet mit dem, was ihr bezahlt habt, nur für das Material selbst, ist das eigentlich eine Win-Win-Situation gewesen. Und das war tatsächlich etwas, was wir dann auch gegenüber dem Geschäftsführer sogar nochmal gepitcht hatten und der fand das großartig und hat dann gesagt, okay, dann machen wir mal weitere Projekte, weil diese Rechnung zählt für mich. Das heißt, als Tipp kann ich geben, wenn es die Etwas ist, wo ihr die nackten Zahlen gar nicht direkt jetzt wegdiskutieren könnt, dann sucht euch andere Mehrwerte, die irgendwie messbar sind, die man auch klar aufzeigen kann und als Gegengewicht dann auch darstellen kann.
Zackes Brustik [00:27:41]: Das heißt, zweite Strategie, den Mehrwert abseits der Kosten formulieren, aber eben da halt sehr konkret auf das Projekt bezogen und wirklich mit der Hand zu greifen. Weil nicht irgendwie wolkig, ja, keine Ahnung, du hast einen HR-Benefit oder du kriegst mehr junge Talente rein. Da gibt es McKinsey-Studien aus, keine Ahnung, 2018 noch oder sowas. Und das ist ja alles sehr wolkig und weit weg, sondern du guckst wirklich ganz konkret, was könnte das für euch bedeuten oder was hat das bei unserem Kunden bedeutet, mit ganz konkreten Beispielen wie dem Handelsblattartikel, das übersetzt. Das heißt, sehr sehr nah den Mehrwert wirklich ausformulieren und nicht mit so ein paar Soft-Faktoren, die zwar gut klingen, die aber vielleicht auch zustande kommen, weil halt jemand die Statistik gemacht hat, der das Thema feiert. Welche Drittes Strategie gibt es noch? Du hast ja gesagt, also du fängst mit dem skeptischen Gegenüber an und irgendwann ist das vielleicht sogar ein begeisterter Green Champion? Also wie kriegt man diese Person dahin?
Hoang Anh Nguyen [00:28:34]: Genau, ich glaube die dritte Strategie ist immer so ein bisschen das, was dann an die Nachfolgenden, wenn man den Kritiker schon so ein bisschen zum Überzeugungstäter gemacht hat, dann geht es für mich immer darum, bei Ecolog wie auch bei Alstomy damals zu gucken, wie kann ich das in eine langfristige Partnerschaft überführen, weil natürlich ein Bauprojekt zu machen mit nachhaltigem Beton ist nett, aber man will das ja strategisch verankert. Und ich glaube, hier komme ich dann noch mal stärker doch mit dem Fokus auf Nachhaltigkeit und dem Bigger Picture, wenn man das so sagen kann. Das heißt, ich kehre sehr klar darüber auf, dass diese Lösung innerhalb des Gebäudesektors einen immensen Mehrwert bietet bei der Reduktion der der grauen Emissionen und dass das etwas ist, womit man sich, und das ist auch ein Mehrwert, muss man sagen, im Wettbewerb einfach positionieren kann. Und zur Realität gehört das dazu, dass Immobilienentwickler momentan auch keinen einfachen Stand haben. Beispielsweise, wenn man in Ahrstätten wie Berlin jetzt baut und da durchaus einen gewissen Gegenwind erfährt, auch durch die Bevölkerung, bekommt man ja alles auch mit. Hochhäuser, Hochhausprojekte in Berlin stagnieren, weil sich die Bezirke dagegen stellen, weil die Nachbarschaft auf die Barrikaden geht. Und da versuche ich dann klarzumachen, dass das Thema Nachhaltigkeit hier immer noch ein sehr, sehr gutes Brückenthema ist zur Bevölkerung und aufzuzeigen, hey, da tut sich was. Wir sind nicht die bösen, bösen Immobilienentwickler, die irgendwie nur auf Rendite getrieben sind, sondern wir wollen ja auch Stadtteile mitentwickeln. Wir wollen ja auch Nachbarschaften gestalten und Orte des Zusammenkommens schaffen. Und ein gutes Beispiel war zum Beispiel mit einem anderen Projektentwickler, wo wir dann überlegt haben, wie können wir dieses Ziel erreichen, dass wir dieses ökologische Thema auch mit der Dimension des Sozialen verbinden und haben dann ein riesiges Bauzaunplakat gemacht, damals bei Alzheimer 8x8 Meter, das dann wirklich für mehrere Monate an diesem Gebäude hing, was durchaus auch sehr, sehr sichtbar war, weil wirklich da Autos ständig dran vorbeigefahren sind. Und ganz viele Leute haben mir auch mal ein Foto geschickt und meinten, hey, da ist das Logo eurer Firma drauf. Und da stand einfach drauf mit KI optimierter CO2 reduzierter Beton als Mehrwert für die Nachbarschaft, Nachhaltigkeit im Beton verankert. Irgendwie so ein gewisser Spruch, der so ein bisschen Keck war. Und ich glaube, das ist auch etwas, womit man das dann wieder, Stichwort Co-Marketing, ganz gut verpacken kann und irgendwie zeigen kann, hey, wir tun hier was Cooles und wir tun hier was, wo wir auch auf die Langfristwirkung der Gestaltung der Nachbarschaft auch hinwirken.
Zackes Brustik [00:30:53]: Ein kurzer Einschub da, weil du hast es schon dreimal gesagt, ich glaub, bisher hatte ich's noch gar nicht erklärt, also auch mein Pitch für euch damals sozusagen. Ihr habt ein richtig cooles KI-Software sozusagen an den Start gebracht, die bestehenden Zementherstellern, Zement- oder Betonwerken geholfen hat, in ihrer bestehenden Infrastruktur einfach den notwendigen Klinker-Anteil intelligenter zu steuern und zu mischen und dadurch wirklich signifikant Reduktionen zu schaffen. Ich weiß das so genau, weil das immer 1 meiner Lieblingsbeispiele in meinen Keynotes ist. Ich glaube, ihr schafft dann wirklich in so einem Werk 15.000 Tonnen CO2 zu speichern, wenn das einmal installiert wurde. Habe ich mir das richtig gemerkt oder waren es sogar 150.000?
Hoang Anh Nguyen [00:31:28]: Ne, genau 15.000 Tonnen, aber in einem Zementwerk. Also der Hebel ist riesengroß und der wird noch größer werden, weswegen ich auch diese Firma, auch wenn ich sie verlassen habe, wirklich großartig finde, weil man daran sieht, wie viel Innovationspotenzial wirklich in dieser nischigen Startup-Branche im Beton auch ist und dass da sich wirklich Leute hingesetzt haben und gesagt haben, ich optimiere das Ganze mit KI und Machine Learning oder andere gesagt haben, ich tue Biokohle rein oder andere dann wiederum das Thema gesagt haben, sie bescheinen den Beton mit Ultraschall und stimulieren damit die Eigenschaften des Betons. Also es gibt super, super viel, was in dieser Branche gerade rumort und wo sich wirklich, wirklich viel tut. Und das sind eigentlich paar nur paar ganz, ganz kleine Beispiele, aber die zeigen, dass da auf jeden Fall sehr, sehr viel Musik nicht abspielt.
Zackes Brustik [00:32:13]: Und das Coole finde ich auch da, weil auch übertragbar auf ganz viele andere Industrien, Also wirklich 1 der mit der Hand zu greifenden Beispiele, wo KI jetzt schon dafür sorgt, dass wir wirklich unserer Nachhaltigkeitsziel näher kommen und das in 1 bestehenden Industrie mit der bestehenden Infrastruktur und den bestehenden Anlagen. Das ist ja sonst immer 1 der Gegenargumente. Wir müssen unseren auf Kohle ausgelegten Hochofen rauswerfen, keine Ahnung, bei ThyssenKrupp und wir brauchen einen neuen DRI, also Direct Reduced Iron Hochofen, der muss mit Strom betrieben werden und mit Wasserstoff. Das heißt riesige, milliardenhohe Investitionen. Bei euch war es wirklich nur bestehende Infrastruktur, intelligenter gesteuert und bis zu 90 Prozent CO2 sparen. Also richtig, richtig cool.
Hoang Anh Nguyen [00:32:52]: Da findet sich auch der Mittelstand wieder, weil viele Unternehmen, die in diesem Bereich sind und die gerade Transformationsprozesse durchlaufen, Die haben natürlich die Befürchtung vor ganz, ganz hohen Investitionen in irgendwelche neuen Systeme und so weiter. Und die muss man teilweise auch tätigen. Aber es gibt auch viele junge Unternehmen, smarte Ideen, wo man wirklich mit dem bestehenden Setup arbeiten kann und damit schon mal signifikant CO2 reduzieren kann und auch Effizienzen heben kann. Also ich glaube, das eine schließt das andere nicht aus, aber es gibt schon wirklich viel, was da auch den Unternehmen heute schon in 1 sehr, sehr kurzen Zeit auch helfen kann.
Zackes Brustik [00:33:25]: Ich habe ja versprochen, dass du auch ein paar Fails teilen wirst, also Themen, wo du gesagt hast, mega gute Strategie, damit lege ich mal los und dir dann vielleicht eine blutige Nase geholt hast. Was gibt es in der Schublade zu finden? Da gibt es viele.
Hoang Anh Nguyen [00:33:38]: Also nein, ich glaube, die Learnings, die ich vor präsentiert habe, basierten ja auch darauf, dass ich Fails hatte, die mir dann immer wieder begegnet sind. Und Ich erinnere mich daran, dass ich einmal, das war noch zu den Anfangszeiten von Alzhemerie, sehr nervös war und Vortrag halten sollte über Beton. Damals habe ich noch kein klares Narrativ gehabt und hatte auch die Zielgruppe nicht so ganz definiert. Das waren wirklich Beton-Fachexperten, also richtige Betonköpfe, jetzt positiv gesprochen. Und dann habe ich dann mit denen über Blumelch im Vortrag über Nachhaltigkeit und hier, das können wir erreichen und Klimakrise, diese ganzen Begriffe, die vielleicht in 1 gewissen Bubble interessant sind, aber jetzt vielleicht nicht für so den konservativen Betone. Und habe da natürlich dann einen Backlash bekommen, dass da super viele Leute mich dann während des Vortrags und danach des Vortrags angesprochen haben und meinten, das, was sie gesagt haben, das ist technisch nicht korrekt und das ist In dem Sinne, das kann man so sagen, aber wir haben das und das Problem. Also ich habe einfach komplett diese Zielgruppe verfehlt und auch Versprechungen oder auch Themen gesetzt, die in dem Falle nicht falsch waren, aber zumindest nicht der Realität in der Praxis hundertprozentig entsprochen haben. Und ich glaube, das war etwas, was, wo ich dann immer lernen musste, eben zu gucken, wie verhalte ich mich in dieser Art und Branche, welche Begriffe nutze ich. Also das war eigentlich das Learning, was auch am Ende daraus führte, dass ich, glaube ich, die Sprache dieser verschiedenen Stakeholder entlang der Wertschöpfungskette wirklich verinnerlicht habe und gesagt habe, ich muss mich immer hinsetzen und mich gut vorbereiten, bevor ich dann irgendwie rausgehe und die Themen einfach nur platziere.
Zackes Brustik [00:35:08]: Jetzt kommen wir zu ein bisschen zu den Themen, die ich richtig, richtig cool finde und die ich ja an dir so feiere, warum ich dir schon seit Jahren super gerne folge und das ist, Du positionierst dich auf LinkedIn unglaublich klar zu Themen wie Diversity. Auch, ich hab's gesehen, zum Beispiel ganz konkret zu Parteipolitik. Und ich muss sagen, ich zum Beispiel, jetzt aktuell, moderiere ich super oft Events für Startup Germany, also alles, was in Deutschland mit dem Startup-Ökosystem zu tun hat und direkt vom BMW E gefördert wird. Das heißt, ich bin offiziell auf 1 BMW E-Bühne, auf der Viva Tech in Paris, auf der Slush in Helsinki. Und dann denk ich mir jetzt, okay, ich werd bezahlt vom BMW E sozusagen als Moderator. Jetzt will ich auf LinkedIn natürlich jetzt nicht direkt Frau Reiche angehen oder den Kanzler, weil ich eine andere Meinung habe zur Energiepolitik. Das geht natürlich irgendwie. Also es wird schwierig. Ich merke, dass ich mich da selber dann schon zurückhalte, dass aber generell über die Jahre immer als Strategie hatte, diese Themen auf der Werte-Ebene zu kommunizieren, nicht auf der parteipolitischen Ebene. Weil ich ja gerade auch Menschen, die eine andere Perspektive, andere Argumente, Überzeugungen haben, abholen will und anschlussfähig sein will und nicht nur in meiner Bubble kommunizieren will. Du machst aber klare Kante. Also, du adressierst wirklich ganz konkret Parteipolitik, du äußerst dich zum Kanzler, du äußerst dich zur Wahl in Baden-Württemberg. Müsstest du damit nicht eigentlich auch grade noch mehr Skepsis bei deinem Gegenüber erzeugen, die aus 1 ultrakonservativen Branche sind, wo zumindest die Hälfte, wenn nicht mehr, eben parteipolitisch auch dann quasi eher im konservativen Spektrum ist.
Hoang Anh Nguyen [00:36:35]: Auf jeden Fall. Also ich glaube, die Positionierung und auch parteipolitische Positionierung und Haltung zeigen, das ist eine Entscheidung, die jeder mit sich selber ausmachen muss. Und es gibt kein richtig und kein falsch. Das heißt, am Anfang für alle Zuhörerinnen und Zuhörer, die jetzt stärker auch in LinkedIn kommunizieren wollen und irgendwie das Gefühl haben, in welche Richtung soll das gehen, einfach erst mal anfangen mit dem, wo man sich wohl fühlt und dann entwickelt sich das schon weiter. Und hier ist es so gewesen, dass ich klar bei mir sich in die Richtung entwickelt hatte, dass ich gesagt habe, ich bin ein politisch denkender Mensch, ich bin seit ich 16 bin parteipolitisch in verschiedenen Parteien unterwegs gewesen, hatte auch immer eine, würde ich sagen, in vielen Themenbereichen eine klare Meinung, diskutiere auch super gerne mit Freunden darüber. Ich glaube, das ist auch so ein bisschen eine Thematik, die daher kommt, dass ich Politikwissenschaft studiert habe und man immer gerne einfach diskutiert und seine Themen austauscht. Und da habe ich einfach gemerkt, dass ich heute bei LinkedIn einfach nicht anders kann als das Gefühl habe, wenn mich etwas stört, dann sind es meistens auch etwas emotionalere Posts. Ich versuche aber dabei nicht irgendwie den in dem Sinne angreifend oder auf die Person angreifend zu sein, sondern auf die Sache bezogen zu sein. Und da ist es so, dass ich dann die Thematik einfach vertrete, ja ich muss das jetzt sagen, weil ich will Teil von einem Diskurs sein und ich will nicht, dass da eine schweigende Mehrheit ist, die jetzt irgendwie das Gleiche denkt, aber sich nicht traut, etwas zu sagen. Wie gesagt, hier muss jeder seinen eigenen Ansatz finden. Ich habe aber auch erlebt, zu deiner Frage, wie es dann beim Gegenüber ankommt. Da werde ich auch immer wieder mal angesprochen von Leuten aus der Betonindustrie, die dann den Post gesehen haben. Und da ist es tatsächlich gar nicht so negativ, weil man immer in so einem Diskussionsraum ist, wo man sagt, agree to disagree. Ich teile deine Meinung nicht und ich muss ja nicht deine Meinung teilen. Du lebst in einem ganz anderen Umfeld, du bist ganz anders sozialisiert. Du hast deine Themen, ich habe meine Themen, aber es ist doch cool zu wissen, dass da irgendwie so eine Art demokratischer Diskurs stattfindet, wo man wirklich miteinander spricht und sagt, ey, okay, wow, du glaubst dann nicht an die Ziele im Nachhaltigen bauen? Feind für dich. Du glaubst nicht an meine Themen? Feind für mich. Und ich glaube, das ist etwas, wo ich auch darauf hinwirken will, dass einfach Leute immer sich so ein bisschen gerne mehr positionieren. Und da auch eine gewisse, erlebe ich zumindest, auch die das Gegenüber eine gewisse Sympathie dann auch am Ende hat. Ein Geschäftsführer 1 Betonfirma meinte genau das. Der meinte, ja, ich fand das, als ich den LinkedIn-Post gesehen habe, fand ich das ein bisschen kritisch, aber nach dem Gespräch mit ihnen, nach 30 Minuten, finde ich das irgendwie sympathisch, dass man da einfach ganz, ganz klar ausgetauscht hat.
Zackes Brustik [00:39:02]: Ich finde das so wichtig hier zu besprechen, das geht über die reine Rolle als Sustainability Manager hinaus, vielleicht auch gar nicht. Aus verschiedenen Punkten. Das eine ist, dass in Social Media der Diskurs ja unglaublich verzerrt ist, weil immer nur die ganz linken und ganz rechten extremen 7% bestimmen den Diskursen. Dadurch hat man das Gefühl, die Welt will gerade entweder morgen Tempolimit 100 oder morgen komplett wieder auf Fleisch und Kohle setzen. Und in der Mitte gibt es nichts. De facto ist da aber eine riesige breite Mehrheit über alle Parteien hinweg für funktionierende Nachhaltigkeitsziele verbunden mit funktionierender Wirtschaft. Und es braucht Kristallisationspunkte im Netz klar positioniert, wo diese Menschen wieder andocken können und den Mut bekommen, sich selber dazu äußern oder drüber zu reden. Gleichzeitig haben ja auch ganz viele Angst, diese Themen ansprechen, weil es unglaublich polarisiert ist, dieser tiefe Graben. Und man das aus dem Netz nur mit vielen hassverbundenen Kommentaren verbindet. Und ich glaube, wenn man sich einerseits klar positioniert, also dem Gegenüber sagt, schon die Unsicherheit nimmt, dass er gar nicht weiß, wie du vor Ort bist, aber auch vormacht, wie man sich klar positionieren kann und trotzdem die Hand ausstrecken. Ich glaube, da nimmt man aus diesem Thema unglaublich viel Luft raus und macht es möglich, darüber zu reden. Ich glaube, in ganz vielen Räumen, wo alle gerade wahrscheinlich unsicher sind, kann ich mich hier überhaupt begeistert von Nachhaltigkeit zeigen, weil ich habe jetzt irgendwie, das Thema ist nicht mehr on Vogue und ich habe eine Geschäftsführung, die gar keinen Bock drauf hat oder so. Ich glaube, das entspannt viele Situationen und man trägt wirklich etwas dazu bei, dass wir auf 1 Meta-Ebene gesprochen, nicht nur in Unternehmen, auch in der Gesellschaft wieder lernen, miteinander unsere Themen zu verhandeln und zu diskutieren, anstatt Schmollend in unseren jeweiligen Ecken zu setzen.
Hoang Anh Nguyen [00:40:38]: Ja, ja, exakt. Also das finde
Zackes Brustik [00:40:39]: ich einen unglaublich werten Beitrag.
Hoang Anh Nguyen [00:40:41]: Ja, ja und LinkedIn ist ja auch, das sagen viele, es ist ein Berufsnetzwerk, das stimmt natürlich auch oder Karrierenetzwerk, aber es ist trotzdem ein öffentlicher Raum, in dem man in den Diskurs miteinander steigt. Und deswegen, ich persönlich sage, für mich ist auch eine Meinung zur Energiewende oder Wärmewende oder zum nachhaltigen Bauen, ist das eine Meinung, die immer politisch ist, aber auch fachlich ist. Natürlich, weil Politik ist letztendlich ganz, ganz vieles. Also wenn ich darüber diskutiere, wie ich am Ende die Städte umgestalten möchte, ob sie grüner sind oder autofreie Stadt und so weiter, sind das direkt auch immer politische Ansatzpunkte. Und dementsprechend, Wenn ich diese Themen reinbringe, merke ich, einerseits gibt es schon Gegenwind manchmal, wir schreiben die meisten in einem sehr sachlichen Ton, dass sie 1 anderen Meinung sind, und dann kommt man wirklich auch in eine gute Diskussion, wo ich dann manchmal auch sehr, sehr viel dazulerne und sage, Moment mal, so habe ich das noch gar nicht betrachtet. Diese Dynamik, warum etwas nicht klappt, das hatte ich so noch gar nicht verstanden und dann bin ich dann auch immer natürlich bereit, auch meine Meinung nochmal anzupassen oder zu ändern für mich. Das heißt, ich profitiere auch viel von diesem Diskurs. Gleichzeitig melden sich auch ganz viele, wenn ich dann irgendwie mal einen Post zu mehr Haltung zu einem bestimmten Thema mache, melden sich dann Leute, die sagen, ja danke, Huang, dass du das mal angesprochen hast, weil ich würde das gerne auch machen, aber ich traue mich halt nicht so. Aber das hat mich ein bisschen motiviert, vielleicht jetzt auch mal hereinzugeben. Also deswegen, es geht in beide Richtungen und das freut mich dann auch immer.
Zackes Brustik [00:42:02]: Und ich merke eben auch wieder, selbst wenn Leute emotional loslegen, ganz platt gesprochen, du postest was zum Thema Vegan auf LinkedIn, dann hast du immer zugespitzt, männlich, weiß, 50, mit einem Professor, Doktor vorne dran weg, und dann kommt gleich so ein Hasskommentar, der einen persönlich diskreditiert. Wenn man das einfach ignoriert und auf 1 fachlichen Ebene bleibt und eine Frage stellt oder so was, dann kann man mit diesen Menschen plötzlich den Threat und den Austausch drehen. Fühlen sie sich ernst genommen, dann rüsten Sie selber verbal ab. Also es geht tatsächlich mal. Aber man braucht halt auch die Selbstdisziplin, sich nicht angegriffen zu fühlen, sich das nicht persönlich zu nehmen, sondern eher als ein Internetphänomen als ein auf die eigene Person bezogenes Vorgehen zu sehen. Und ich glaube, das ist auch wichtig in den Unternehmen. Also ich meine, die Diskussion führen wir genauso in Kantinen, die führen wir in Teams oder die führen die Kollegen in der Küche, wenn wir nicht dastehen als Nachhaltigkeitsverantwortliche. Da kommt schon wieder der Alex, hier mit seinen beschissenen Klimazielen. Der kostet uns die ganzen Arbeitsplätze, ne?
Hoang Anh Nguyen [00:43:04]: Also bei uns in der Firma ist das glücklicherweise nicht so, weil alle dann doch, kleinere Firma, aber ja, verstehe ich total. Ich sage das ja auch immer gegenüber den Mitarbeitenden im Team oder auch den Kolleginnen und Kollegen. Wir diskutieren da ja auch politisch und sind uns auch nicht einig bei ganz vielen Sachen. Und ich finde, davon profitiert man auch, weil man lernt das Gegenüber damit auch anders kennen. Man weiß, der Kollege ist brennend für das und das Thema, der Kollege, dem ist Veganismus und Klimakrise ganz wichtig. Das heißt, ich habe da einfach auch direkt ein Gespür dafür, okay, die Person, mit der kann ich mich auch, wenn ich mal eine gute Studie brauche oder so direkt an daran wenden. Das heißt, wenn man Haltung zeigt und eine klare Positionierung der jeweiligen Personen im Team hat, weiß man auch, wer für was sich privat, beruflich auch beschäftigt und so. Das ist auch gut.
Zackes Brustik [00:43:45]: Spannend ist, ein Thema, was dir unglaublich wichtig ist, auch wegen deiner eigenen persönlichen Geschichte, ist das Thema Diversity. Und das ist ja von allen Themen, die es gibt, wahrscheinlich gerade das größte Reizthema. Wo einem Leute entweder dann eben freudig entgegenspringen oder wo Leute sofort eine Hasskappe aufhaben. Also ich glaube so, Green Vogue, diese ganzen quasi Themen, linksgrün versifft, so was, also quasi das, was es da am verbalen Aufrüsten gibt, an Gegenkampagne, bezieht sich meistens auch auf Diversity-Themen. Warum ist dir persönlich das Thema so wichtig?
Hoang Anh Nguyen [00:44:15]: Ja, mir ist das wichtig, weil ich einfach als Person das Thema verinnerlicht habe, einfach aufgrund meiner Herkunft her. Und die muss ich ja nicht verleugnen. Also meine Eltern sind aus Vietnam gegangen, weil dort die wirtschaftlichen Bedingungen einfach extrem schlecht waren. Sie sind in den Westen gegangen, sich ein Leben aufzubauen und auch mal die Familie in Vietnam zu finanzieren. Das heißt ganz, ganz viel, was jetzt in Vietnam aufgebaut wurde, mit dass meine Cousinen und Cousins zur Schule gegangen sind, dass meine Großeltern jetzt nicht mal in 1 kleinen Hütte wohnen, sondern in einem großen Haus. Das passierte durch meine Eltern, aber auch generell durch ganz viele Vietnamesinnen, die in die diaspora, in die Welt rausgegangen sind, dort Geld verdient haben, das Geld zurückzubringen. Und diesen Aspekt, auf den bin ich auch stolz drauf. Und deswegen ist das meine Herkunft und deswegen sage ich auch vieles, das prägt mich als Person. Und ich hatte dadurch auch in Deutschland Vor- und Nachteile, viele Nachteile, rassistische Erfahrungen, auch Themen bezüglich, dass man sich nicht zugehörig gefühlt hat. Und diese Themen möchte ich als Person, wo ich jetzt sage, ich bin jetzt 32 und ich bin irgendwie gefestigt bei 1 Persönlichkeit, Die will ich auch nach außen tragen mit persönlichen Geschichten manchmal. Ich habe einmal einen Post gemacht, darum ging es darum, dass ich mich manchmal ärge, dass man meinen Namen falsch ausspricht, aber nur wenn es dann immer und immer wieder passiert. Und es geht gar nicht darum, dass es nicht passieren darf, weil natürlich wir leben in Deutschland und Huang An Nguyen, das ist kein einfacher, bio-deutscher Name. Es ist auch vollkommen okay, es falsch auszusprechen. Aber dann einfach, dass man da eine Offenheit und Sensibilisierung des Gegenübers schafft. Ja, wenn das halt jedes mal passiert oder man irgendwie in der Schule immer darüber sich lustig gemacht wurde, wie der Name buchstabiert war, wenn die Klassenlehrerin die Namensliste vorgelesen hat und jedes mal stockte es, wenn es zum Namen Huang kam, dann ist das etwas, was einen ausmacht, mich als Person auch ausgemacht hat und das wollte ich dann einfach in persönlichen Post auch vermitteln und habe dann gleichzeitig aber super viel Gegenwind bekommen, dass Leute sich angegriffen gefühlt haben von den meistens auch mittealten weißen Männern in der Regel. Ganz viele aber auch Menschen mit Migrationsbiografie dann auf mich zurückgekommen sind und meinten, danke, dass du es ausgesprochen hast, ich fühle es genauso. Oder auch bei LinkedIn dann vietnamesische stämmige Personen, die gerade mit dem Studium fertig sind, auf mich zugekommen sind und meinten, hey, das ist irgendwie so eine Art, so ein Role Model auch für mich und das freut mich auch, weil das genau die Geschichten sind, die wir, glaube ich, in Deutschland viel zu wenig erzählen, dass wir einfach deutlich vielfältiger sind und jeder diese Erfahrung in gewisser Weise, ob es Migrationsbiografie ist oder andere Aspekte der Vielfalt, auch durchgemacht haben. Und das ist mir wichtig, dann auch diese Geschichten zu erzählen.
Zackes Brustik [00:46:45]: Bei der Gelegenheit, ich glaube, deinen Nachnamen habe ich endlich richtig drauf. Aber jetzt in dieser Folge ist mir manchmal aufgefallen, bei dem Hwang, du sprichst das G hart mit aus, oder?
Hoang Anh Nguyen [00:46:54]: Hwang, ja doch, wie so ein K eher.
Zackes Brustik [00:46:57]: Hwang, also eigentlich ein K quasi, mit deutscher Sprache gedacht sozusagen, ist ein K am Schluss. Hwang Anuyan. Okay, dann habe ich es jetzt, nach all diesen Jahren, endlich richtig drauf.
Hoang Anh Nguyen [00:47:05]: Und jetzt hast du es auch perfekt drauf. Aber ich meine, das ist, man darf glaube ich, ich glaube da gibt es also für mich persönlich keinen, nicht mit Schaum vorm Mund oder so. Ich will nicht irgendwie den anderen erziehen, dass er's richtig machen muss. Ich will ein Perspektivwechsel schaffen für ganz viele Themen. Und zu zeigen, hey, so ging es mir damals und so ging es mir. Du kannst es annehmen oder nicht. Wenn du's nicht annehmst, ist es deine Entscheidung.
Zackes Brustik [00:47:30]: Wenn du's annehmst, freut es mich auch. Auch da wieder, das find ich eine, den Diskurs unglaublich entschärfende Art der Kommunikation, die die Menschen abholt und die auch einem Gegenüber, wie du gesagt hast, das anders positioniert ist, das leicht emotional ist, eine Chance zu geben, gesichtswarnd einen Schritt auf diese Brücke zu wahren. Ich glaube, das ist ja immer das Wichtige, dass man wirklich dem Gegenüber die Chance gibt, gesichtswarnd einen Schritt aus der bisherigen Position rauszumachen. Und da kann man nicht darauf warten, dass das Gegenüber das macht. Das müssen wir selbst machen. Sei es jemand, der jetzt irgendwie zum Beispiel mit dem Thema Diversity oder Migrationsgeschichte ein Problem hat oder sei es in der Kantine jemand, der einfach dieselgetriebene V12-Motoren geil findet, mit dem wir vielleicht ein Problem haben, mit dem wir aber auch ins Gespräch kommen müssen, weil das unser Gegenüber im Vertrieb ist.
Hoang Anh Nguyen [00:48:15]: Genau, ich sehe das genau wie du, weil ich finde, man kann nicht von einem anderen erwarten, dass er oder sie immer den gleichen Wissensstand wie man selbst hat. Deswegen, wenn man etwas, eine Veränderung bezüglich Nachhaltigkeit, Diversity auch schaffen will, muss man auch dem anderen gegenüber die Möglichkeit geben, hey, das ist hier mein Input. Lies dir doch vielleicht zu dem Thema Diesel und so weiter nochmal die Studie durch oder ich habe mir diese gute Reportage angeschaut oder beim Thema Vielfalt hast du schon mal darüber nachgedacht, dass das vielleicht auch diskriminierend ist. Dass man dem anderen die Möglichkeit gibt, selber die Entscheidung zu treffen, hey, ja, zu reflektieren, ich hab da was falsch gemacht oder ich sehe das jetzt doch anders. Und nicht immer, und das ist leider so ein Ding unserer Gesellschaft, dieses, ich, meine Position, die muss so sein und die andere Position, die ist immer falsch. Und wenn der andere sich nicht an mir anpasst, dann ist das automatisch falsch. Und ich glaube, diese Art und Weise, die schafft halt wirklich nur so ein Gegeneinander, was unserer Gesellschaft nicht gut tut.
Zackes Brustik [00:49:07]: Ja, und da kann man zwar immer sagen, klar, irgendwie die Fossil-Lobby ist groß aufgestellt mit Marketing-Technik, Kaka-Herr, ich hab einen Felsspringer drin, die fahren entsprechende Kampagnen. Ja, aber man muss so ehrlich sein, wenn man sich sozusagen in Anführungszeichen der Grünen, das meine ich nicht parteipolitisch, sondern auf Nachhaltigkeit ausgelegte Bubble wiederfindet, da gibt es genauso viele Menschen wie in der CDU und auch in der FDP, die sich für Nachhaltigkeit einsetzen. Es liegt an einem selbst, auch verbal abzurüsten. Wir haben es, so ehrlich muss man sein, in den letzten Jahren unserem Gegenüber nicht immer einfach gemacht, sich nicht angegriffen zu fühlen oder nicht von oben herab oder nicht moralisierend angesprochen zu fühlen. Einen ganz großen Hebel haben wir da selber noch in der Hand. Wir kommen gleich noch mal ganz kurz zum Schluss. In 5 Minuten gibt es nochmal so ein Update zum Thema Biochar negative Emissionen. Ich will trotzdem noch ein Ding reinbringen, weil ich das unglaublich schön finde, eben gerade auch ein Beispiel deiner Person, etwas über das wir viel zu wenig sprechen, ist Representation. Also wir reden immer über Diversity, aber in Deutschland heißt das, meine Erfahrung als Moderator im Prinzip, dass man darauf achtet, dass in einem techniklastigen männerbesetzten Panel mindestens eine Frau sich wiederfindet und die wird dann da reingesetzt, wenn sie vielleicht thematisch eigentlich für ein anderes Thema steht, erst gerade demnächst wie auf 1 Konferenz erlebt. Eine super intelligente, fachlich mega versierte Frau, die aber in diesem Panel nicht ganz thematisch passend war, aber reingeholt wurde, damit da auch eine Frau sitzt. Und das ist ja nur eine, ich sag mal die wirklich holzschnittartigste Version von Diversity. Ich habe in all diesen 15 Jahren meiner Moderationsgeschichte, ein einziges Mal saß ich auf der Bühne mit einem Menschen, 1 Frau logischerweise mit Kopftuch. Es gibt superviele intelligente muslimische Programmiererinnen da draußen, sie werden nie auf die Bühne geschickt. Was ich bei dir so schön fand, dass du für dich deine Motivation, deine Karriere anzugehen, wirklich Gas zu geben, auch damit zu tun hatte, dass du wirklich, ich sag mal, einen Menschen gesehen hast, in 1 unglaublich wichtigen Person, wo du gedacht hast, das könnte auch ich mal sein.
Hoang Anh Nguyen [00:51:01]: Ja genau, exakt. Also diese Repräsentation ist, da sind wir wieder beim Perspektivwechsel. Jemand, der in Deutschland aufgewachsen ist, der sich ständig repräsentiert gefühlt hat, weil er, wenn er den Fernseher angemacht hat, immer Leute gesehen hat, die eher aussehen, die weiß sind, die blondes Haar haben und so weiter und so fort, der hat natürlich dieses Problem nicht und sieht dieses Problem nicht. Bei mir war es als Kind und als Jugendlicher so, dass es keine vietnamesische oder überhaupt asiatischstämmige Repräsentation gab. Das heißt, ich habe den Fernseher angemacht und da waren immer Leute, die erfolgreich waren und ich wollte irgendwie auch erfolgreich sein, konnte es nicht definieren, was das bedeutet, habe dann aber immer gedacht, das ist nichts für mich, weil ich komme irgendwie aus 1 anderen Familie und ich komme aus einem anderen Ursprung und irgendwie habe ich auch im Umfeld niemanden, der es wirklich geschafft hat. Und dann war das halt so ein Gefühl von, okay, ja, woran soll ich mich orientieren? Was ist mein Nordstern, der mich auch beruflich dann irgendwie weiter treibt? Und dann hatte ich irgendwann, gab es so einen Moment, wo ich den Fernseher oder die Tagesschau, glaube ich, angemacht habe. Und dann war da irgendwie Philipp Röster, die Wahl zum Parteivorsitzenden der FDP. Und dann wurde gesagt, der erste asiatischstämmige oder vietnamesischstämmige Parteivorsitzende überall. Und dann habe ich so in sein Gesicht geguckt und habe dann gesehen, der sieht ja auch aus wie ich. Der hat zwar nicht einen vietnamesisch klingenden Namen, aber er ist vietnamesischstämmig. Und das war dann so ein richtig motivierendes Thema, weil ich dann das Gefühl hatte, okay, wow, da ist jemand, der hat es wirklich geschafft. Und die Politik hat mich damals interessiert und gedacht, okay, zwar ist er ein Liberaler und ich teile bestimmte Positionen nicht, aber Props an ihn, dass er es irgendwie gepackt hat und es sich wirklich durch dieses Haifischbecken der Politik manövriert hat. Und das war für mich wirklich lange Zeit so eine Motivation, immer wieder seiner Karriere zu folgen und immer darüber nachzudenken, ok, obwohl ich ihn nie getroffen habe, was würde Philipp Rösler in der Situation tun, was hat Philipp Rösler gemacht, damit er in diese Position kommt. Das heißt, falls er zuhört, ich weiß es nicht, vielen Dank, dass du das gemacht hast.
Zackes Brustik [00:52:54]: Megamieler coole Geschichte. Bei der Gelegenheit muss ich noch ein Ding mit reinbringen, weil ich kann mir vorstellen, dass das sich auch viele wahrscheinlich wiederfinden. Grade frische Einsteiger im Thema Nachhaltigkeitsmanagement, Quereinsteiger zum Beispiel, frisch im Job, motiviert, fröhlich drauf. Du bist ein Mensch, deswegen feier ich auch dein Content. Klar positioniert, aber immer positiv, immer mit einem Lächeln im Gesicht. Also immer quasi eine positive Dynamik, einen Schwung, auf den man Bock hat. Und du hast geschrieben, dass dir das oft auf die Füße fällt, weil du lächelnd und freundlich bist und die Menschen dir nicht die Technikkompetenz zusprechen.
Hoang Anh Nguyen [00:53:27]: Das ist etwas, nachdem ich das gepostet hatte, ich glaub, da hatten sich, ich glaub, 10, 15 weibliche Personen mit Migrationshintergrund gemeldet, die dann meinten, ey, mir geht das genauso, Hwang. Ich glaube, bei 1 jungen Frau mit Migrationshintergrund, vielleicht mit Kopftuch, ist das noch eklatanter. Also da ist eine Dimension dabei, dass man der Person direkt eine gewisse Kompetenz abspricht, aufgrund des Alters, aufgrund der Herkunft und aufgrund des Geschlechts, also verschiedene Diskriminierungsmerkmale aneinandergeheftet. Und bei mir war es aber so, dass ich, und das ist, glaube ich, ein Thema, was viele Menschen auch aus asiatischstämmigen Ländern betrifft, dass da ja immer gesagt wird, ach die sind alle so freundlich und lächeln viel. Und ich bin auch eine Person, würde ich sagen, die gerne lacht, weil ich eher ein optimistischer Mensch bin, sonst wäre wahrscheinlich der Einsatz im Baubereich auch ein bisschen zäh manchmal. Aber ich denke mir so, ja, es ist irgendwie die kleinen Schritte und das Positive muss man immer begleiten. Aber das führte häufig dazu, dass ich das Gefühl hatte, manchmal so bei 1 Ausschusssitzung von so einem konservativen Verband und da sitzen dann ältere Herrschaften, dass man dann immer so ein bisschen wahrgenommen wurde, so als, ja, als so ein Universitätsabsolvent, der ist erst ein paar Jahre in der Branche und dass ich mich immer extra beweisen musste, dass ich extra das Gefühl hatte, okay, ich muss jetzt in diesen Beiträgen besonders dezidiert fachlich tief in den Beton reingehen, Ich muss tief die Themen behandeln, wo anderen, glaube ich, wenn da so ein 50-jähriger weißer Mann sitzt, glaube ich einfach gesetzt ist, das ist ein Experte, dem muss man das nicht erklären. Und da manchmal hatte ich auch, und das waren auch bestimmte Situationen, dass dann auch das immer wieder aktiv hinterfragt wurde. Dass bei der Panelzusammensetzung ich 10 mal sagen konnte, ich habe hier eine Expertise, ich arbeite hier mit Bauprojekten zusammen, ich habe hier einen Betonprüfer gemacht, weiß wie man Beton zertifiziert und trotzdem wurde immer wieder gefragt, bist du die richtige Besetzung? Und ja, das sind so Sachen, die dann manchmal frustrieren. Aber auch hier, ich versuche dann dem Gegenüber das klar zu machen, ey, das ist meine Expertise, nimm sie jetzt oder nimm sie nicht. Aber versuche dann auch immer gleichzeitig zu sagen, wie es mir damit geht, einfach dem Gegenüber auch aufzuzeigen, hey, vielleicht das, was du gesagt hast oder das, wie du es aufgebaut hast, ist jetzt vielleicht so ein bisschen in Anführerschrieben verletzend gewesen.
Zackes Brustik [00:55:39]: Ich glaube auch, wahrscheinlich fühlen sich viele angesprochen, während du das hier in dem Podcast erzählst und daher auch wieder ein super mutmachendes Beispiel, weil das, was ich schön fand in diesem Beitrag, den du gepostest hast, du hast es direkt klar adressiert. In diesem Folgestrich zu der Panel-Besetzung hast du direkt gesagt, wenn ich mich recht ins Sinne wortgemäß, haben Sie da ein Problem damit, das sind meine Qualifikationen, Wenn das für sie nicht passt, können sie es auch anders besetzen. Und ich glaube, durch dieses klare offensive, aber nicht aggressive, sondern quasi einfach nur de facto formulieren, hast du da auch wieder aus dem Thema die Luft genommen.
Hoang Anh Nguyen [00:56:11]: Ja, ich denke mir dann halt auch immer, das kam auch vielleicht für alle jüngeren Zuhörerinnen und Zuhörer in dieses Podcast, die jetzt gerade vielleicht so ein bisschen die Transition im Nachhaltigkeitsbereich machen und ihre Karriere gerade aufbauen. Es hilft immer einfach zu sagen, dass wenn es so ein Problem auftaucht oder eine persönliche Befindlichkeit ist, darf man das nicht zu persönlich nehmen. Ich denke dann immer, es ist beim Gegenüber irgendwas in seinem oder ihrem Kopf, was dazu führt, dass er oder sie sowas sagt. Und deswegen nehme ich das in der Regel vieles auch gar nicht persönlich. Aber ich denke dann auch, ich muss es dann adressieren, dem Gegenüber die Möglichkeit zu geben, darüber nochmal klar zu reflektieren.
Zackes Brustik [00:56:45]: Ich glaube, das ist eine feine Unterscheidung, wenn wir gerade darüber reden. Es betrifft dich persönlich und deswegen ist es wichtig, das zu adressieren, aber du nimmst es nicht persönlich.
Hoang Anh Nguyen [00:56:53]: Also es würde auch nichts bringen, wenn man es immer persönlich nimmt, weil dann ist es, das führt zu viel Frust und zu viel, ja, Pessimismus. Das möchte ich zumindest für mich individuell jetzt auch nicht immer haben im Leben.
Zackes Brustik [00:57:05]: Zum Schluss noch kurz, also das ist jetzt implizit immer wieder mit eingeflossen, das Thema CO2-Neutralität, negative Emissionen, neuartige Baustoffe, neuartige Prozesse. Während wir sprechen bist du in einem Hotel in Wien, ich glaube bei der Biochar Konferenz, die größte in Europa. Hast du noch ein paar Insights? Was tut sich in dem Thema und was sollten Sustainability ManagerInnen auf dem Schirm haben?
Hoang Anh Nguyen [00:57:25]: Also es tut sich in dem Thema insbesondere was, dass die Branche sich immer mehr professionalisiert. Das heißt, man sprach man vor ein paar Jahren noch darüber, ja es wäre mal nett ein Pilotprojekt zu machen oder ein bisschen was anzutesten, was auch viele von euch, der Zuhörerinnen und Zuhörer auch kennt, dieses Mal so ein Pilot und mal zu gucken, vielleicht in einem Gebäude das einmal einzusetzen. Das ist mittlerweile anders. Das heißt, man überlegt sich die Skalierung an. Man schaut sich an, wie man das Ganze im Biochar-Kontext industriell produziert und wirklich im großen Maßstab in Europa vertreiben kann. Das heißt, da ist eine gewisse Professionalisierung passiert und es ist wirklich beachtenswert, auch bei diesem Thema, dass man versucht hat, auch die gesamte Value Chain mit reinzunehmen. Das heißt, wir hatten hier vorgestern einen Fokustag auf das Thema Bau und da waren wirklich Leute dabei von den genannten Holz-Strabag, also die großen Baufirmen und Zementhersteller, die sich positioniert haben, positiv gegenüber dem Thema, aber auch Architekturbüros, Real Estate Developer, Leute aus der Biokohleindustrie, Leute aus der Betonindustrie sowieso. Das heißt hier auch immer mehr zu gucken, wir müssen an diesem Problem Beton arbeiten. Wir haben hier eine Lösung, aber die funktioniert in verschiedenen Teilen noch nicht, weil verschiedene Stakeholder noch nicht an Bord sind. Deswegen müssen wir jetzt langsam mal in den Diskurs kommen, in die Kommunikation kommen. Und das haben die Organisatoren hier wirklich richtig gut gemacht, dass man wirklich ins Gespräch gekommen ist und über jedes Problem entlang dieser Wertschöpfungskette dann gesprochen hat.
Zackes Brustik [00:58:49]: Super, super spannend. Ich glaube, damit könnten wir eine eigene Folge füllen. Ich hatte vor einem Jahr auch mal ein Thema mit Sebastian Marnhardt, ich glaube dem Mitgründer und ich glaube Präsident oder so Vorstandsmitglied vom Verband für negative Emissionen in Deutschland. Vielleicht wäre es demnächst einmal wieder Zeit für ein Update zu allem, was mit negativen Emissionen, Biochar, Carbon Capture, Storage, Utilization zu tun hat. Wäre mal wieder, glaube ich, eine dezidierte Folge wert. Erstmal an der Stelle vielen, vielen Dank für deine Zeit hier für dich. Einen Vormittag werden wir hier gerade sprechen, wo du eigentlich auch auf der Konferenz sein könntest. Unglaublich wertvoll, dass du dir die Zeit genommen hast. Für mich persönlich, wirklich 1 der wertvollsten Takeaways, weil das etwas ist, wo ich auch als Content-Creator, Podcaster mit Struggle, ich hab immer versucht, auf 1 tieferen Werte-Ebene diese Nachhaltigkeitsthemen zu kommunizieren. Damit ein Gegenüber, was vielleicht auf 1 oberflächlichen Ebene erst mal auf 1 ganz anderen Blickwinkel hat, was vielleicht auch parteipolitisch ganz anders verordnet ist, immer anschlussfähig ist und quasi dann Schritt auf mich zugehen kann. Und ich habe aber das Gefühl gehabt, ich habe es dadurch zu sehr verwässert. Und also für mich bist du wirklich die Inspiration, sich wieder klarer zu positionieren, weil das gegenüber dann noch ein Kristallisationspunkt hat und sich selbst dazu positionieren kann und dann ein Gespräch viel eher schneller in eine gute und konstruktive Richtung geht. Aber das Entscheidende ist dabei, und deswegen war es so schön, dich hier in der Folge zu haben, eben wirklich an den kleinen Details den Unterschied zu machen, wo man zwar klar ist, aber eben immer die Brücke baut, dem Gegenüber die Chance gibt, sich wahrgenommen zu fühlen, sich abgeholt zu fühlen, emotional abgeholt zu fühlen, die Themen zu verstehen, sich nicht dumm vorzukommen und dadurch eben gesichtswahrend auf einen zukommen kann. Das war für mich wirklich das wichtigste Fazit dieser Folge. Vielen Dank, der Huang.
Hoang Anh Nguyen [01:00:33]: Ja, vielen Dank und perfekt zusammengefasst.
Zackes Brustik [01:00:37]: Es war mir eine Freude. Folgt Huang auf LinkedIn. Wirklich unglaublich wertvoller Content, der euch jedes Mal motivieren wird, der euch auch quasi implizit dann sozusagen eine gute Handreichung gibt, wie ihr selber die Themen intern kommunizieren könnt, die euch wichtig sind, wo ihr vielleicht gerade das Gefühl habt, damit allein auf weiter Flur zu sein. Wenn man sich damit rauswagt, merkt man ganz schnell, dass man damit de facto nicht allein auf weiter Flur ist. In eurem Unternehmen, in eurer Abteilung werdet ihr vielleicht Menschen dann dadurch treffen, die auf euch zukommen, die ihr vorher gar nicht auf dem Schirm hattet, wo ihr neue Allianzen schmieden könntet. Es ist unglaublich wichtig, dass wir unsere gerade gefühlt einsame Insel, auf der wir mit unseren 3 liebsten Themen sitzen, wieder einen Kontinent machen. Abonniert Gewinne Zukunft, den Newsletter unter zacktes.com slash Newsletter und dann bekommt ihr alles mit, was sonst noch sich die ganzen Wochen über tun. Wie gesagt, ich bin gerade auf einigen spannenden Events unterwegs, wo auch das Thema Nachhaltigkeit heftig diskutiert wird, kontrovers diskutiert wird. Das alles im Newsletter. Zackes.com slash Newsletter. Bis zur nächsten Folge.
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Shownotes:
Hoang Anh Nguyen ist Chief Growth & Communication Officer bei ecoLocked, einem Startup, das Biokohle in Beton beimischt und so die Emissionen massiv reduziert. Zuvor war er Head of Communication bei Alcemy, einem KI-Startup für emissionsarme Betonproduktion. Als einer der klarsten Kommunikatoren im deutschsprachigen Nachhaltigkeitsbereich zeigt er auf LinkedIn, wie man sich auch zu unbequemen Themen positioniert, und dabei sein Gegenüber trotzdem abholt.
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Über Podcast-Host Zackes Brustik:
Zackes Brustik ist Keynote Speaker, Moderator und Host des Podcasts „Gewinne Zukunft" – einer der meistgehörten Podcasts für ESG-Profis und Entscheider in Deutschland. Nach über 1.000 Interviews und über 100 persönlichen Gesprächen mit Pionieren des zukunftsfähigen Mittelstands bringt er die Erfolgsgeschichten derer auf die Bühne, die einfach machen.
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